Die Polizei in Hongkong hat einen von Demonstranten besetzten Tunnel geräumt. Mit Pfefferspray gingen mehrere hundert Beamte in Schutzausrüstung gegen die Aktivisten vor und rissen Barrikaden nieder. Nur wenige Stunden zuvor hatten Aktivisten der Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong Barrikaden im Tunnel der Lung Wo Straße nahe des Regierungssitzes aufgebaut. Der Tunnel gilt als wichtige Verkehrsader. Fernsehsender in Hongkong zeigten Bilder, auf denen Dutzende Demonstranten von der Polizei abgeführt wurden. 37 Männer und acht Frauen wurden festgenommen, vier Polizisten wurden verletzt.

Bei der Errichtung der Barrikaden aus Reifen und Zementstücken aus Abflussrinnen hatten einige Demonstranten offenbar auf eigene Faust gehandelt, nachdem die Stadtregierung am Freitag überraschend Verhandlungen mit den Demonstranten abgesagt hatte. Die Aktion soll lokalen Medien zufolge nicht auf die Studentenvereinigung zurückgehen, die als treibende Kraft hinter den Protesten steht.

Polizisten hatten bereits am frühen Dienstagmorgen an mehreren Orten im Finanzdistrikt und nahe dem Einkaufsviertel Causeway Bay Barrieren aus Bambus, Zement und anderem Material zerstört. Die Aktivisten hatten die Barrikaden neu errichtet, nachdem Vermummte sie am Vortag niedergerissen hatten.

Hunderte Demonstranten campierten auch in der Nacht zum Mittwoch weiter an den drei Protestorten in Admiralty, Causeway Bay und im belebten Geschäftsviertel Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon.

Die Proteste in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zu China gehört, dauern seit mehr als zwei Wochen an. Auslöser war der Beschluss der Regierung, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Die Aktivisten fordern mehr Demokratie. Die Protestgegner beklagen die Behinderungen durch Straßenblockaden und stellen sich hinter die loyal zu China stehende Regierung.