Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat schiitischen Milizen im Irak schwere Menschenrechtsverstöße und Kriegsverbrechen an Sunniten vorgeworfen. Die Schiiten handelten offenbar aus Rache für Übergriffe der sunnitischen Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), heißt es in einem neuen Bericht von Amnesty. Die schiitischen Gruppen hätten Dutzende sunnitische Zivilisten entführt und getötet. Viele der Opfer seien offenbar gezielt hingerichtet worden – auch wenn ihre Familien vorher bereits Lösegeld gezahlt hätten.

Auch die irakischen Regierungstruppen folterten und töteten Gefangene, hieß es in dem Bericht. Es herrsche ein Klima totaler Straflosigkeit. Die irakische Regierung lasse dies zu und fördere damit den Teufelskreis von religiös motivierter Gewalt, die das Land auseinanderreiße, erklärte die Amnesty-Krisenbeauftragte, Donatella Rovera. Mit der wachsenden Macht der schiitischen Milizen habe sich die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Sie hätten an Einfluss gewonnen, nachdem sich die Armee im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) aus weiten Landesteilen zurückgezogen habe. Der IS kontrolliert inzwischen rund ein Drittel des Irak und geht ebenfalls mit großer Brutalität gegen Andersgläubige vor.