Die berühmte irische Steuernische Double Irish wird es ab dem kommenden Jahr nicht mehr geben. Das verkündete Finanzminister Michael Noonan in einer Haushaltsrede. Ab 2015 können multinationale Firmen nicht mehr in Irland registriert sein, ohne dort Steuern zu zahlen. Wer bereits profitiert, bekommt allerdings eine Übergangsfrist bis 2020, wie Noonan erklärte. Den Double Irish, den Doppelten Iren, nutzen bislang etwa US-Unternehmen wie Apple oder Google oder große Pharmakonzerne. Die Steuerumgehung erlaubte ihnen bisher, Milliardengewinne einzunehmen fast ohne Abgaben dafür zu zahlen.

"Ich schaffe die Möglichkeit für Firmen ab, den Double Irish zu nutzen, indem ich unsere Regeln so ändere, dass alle in Irland registrierten Unternehmen auch ihren Steuerwohnsitz dort haben müssen", sagte Noonan. Dadurch werde Investoren Sicherheit über die Unternehmenssteuer in Irland für das nächste Jahrzehnt gegeben.

Die Regelung des Steuerschlupfloches war nicht nur in Europa seit Jahren kritisiert worden. Auch die Finanzminister Großbritanniens und der USA stören sich daran, dass große Firmen mit ihren Milliardengewinnen die Behörden umgehen. Finanzexperten vermuten laut Wall Street Journal, dass der Druck, den die EU auf Irland ausgeübt hatte, Grund für den Wandel sei. Noonan betonte aber, dass jede Änderung des irischen Steuersystems eine Entscheidung der irischen Regierung sei.

Zum Double Irish gehören in der Regel zwei in Irland registrierte Unternehmen, von denen aber nur eines seinen Steuerwohnsitz dort hat. Das andere hat diesen oft in Steueroasen wie zum Beispiel im britischen Übersee-Gebiet Bermuda.

Ein Großteil der Unternehmen, die vom Double Irish profitieren, sind US-ansässige technische Unternehmen, unter anderem auch Facebook. Einige von den Firmen bereiten sich dem Bericht zufolge bereits auf die Veränderung vor. "Die Unternehmen fangen jetzt an zu planen", sagte Francesca Lagerberg von Grant Thornton International, der Dachorganisation unabhängiger Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. "Sie können es sich nicht leisten zu warten".

Eine Möglichkeit sei es, die Patentrechte innerhalb der Unternehmen zu verlagern. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Finanzminister Noonan in seiner Rede eine neue Steuersubvention ankündigte. Demnach blieben Patenteinnahmen weiterhin größtenteils steuerfrei. Grund dafür sei, dass Irland damit Großbritannien Konkurrenz machen wolle, die kürzlich eine vergleichbare Regelung eingeführt hatten. Außerdem sollen Firmen, die in Irland in Forschung und Entwicklung investieren künftig einen niedrigeren Körperschaftssteuersatz zahlen.