Kommende Wochen wollen die Militärchefs der Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammenkommen, um die Strategie im Irak und in Syrien zu diskutieren. US-Generalstabschef Martin Dempsey habe dazu mehr als 20 seiner Kollegen eingeladen, sagte ein Angehöriger des US-Militärs. Die Gespräche sollen demnach am Montag mit einem gemeinsamen Abendessen beginnen und am Dienstag am Militärstützpunkt Andrews bei Washington fortgesetzt werden. Es sei das erste Treffen auf dieser Ebene seit Beginn der Luftschläge im Irak Anfang August, sagte der Militärangehörige.    

Die Strategie im Anti-IS-Kampf sorgt derzeit für Diskussionen, da die Extremisten trotz wiederholter Luftangriffe Teile der kurdisch-syrischen Grenzstadt Kobani unter ihre Kontrolle bringen konnten. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu befürchtet, ein Treffen kommende Woche könne für einen notwendigen Strategiewechsel schon zu spät sein. Bis dahin könnte die Stadt schon gefallen sein, sagte er.  

Die Gefechtslage in Kobani ist verworren. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberte die Terrormiliz IS trotz heftiger kurdischer Gegenwehr weitere Viertel der Stadt und rückt immer näher an die türkische Grenze heran. Die Dschihadisten hätten bereits etwa ein Drittel der Stadt erobert. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa sagte, es gebe Gefechte sehr dicht an der Grenze. Die kurdische Stadtregierung bestritt diese Darstellung. Kurdische Kräfte hätten mehrere Stadtteile zurückerobern können, hieß es. Auch die US-Kommandozentrale berichtete von Anzeichen, dass der Großteil der Stadt unter kurdischer Kontrolle sei.

IS-Kämpfer waren am Montag erstmals in die strategisch und für Kurden auch symbolisch wichtige Stadt einmarschiert. Sollten die Extremisten die ganze Stadt erobern, hätten sie einen langen, durchgängigen Grenzstreifen zum Nato-Land Türkei unter ihrer Kontrolle.

Syrien ist gegen Pufferzone

Die Regierung in Ankara sprach sich dennoch gegen einen Alleingang mit Bodentruppen gegen die Extremisten im Nachbarland aus. "Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz", sagte Außenminister Çavuşoğlu nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. Er erneuerte die Forderung nach einer Schutz- und einer Flugverbotszone in Syrien. In einem solchen Gebiet zwischen Syrien und der Türkei sollen Flüchtlinge Unterschlupf finden können. Außerdem müsse der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Teil der Strategie gegen den IS sein, sagte Çavuşoğlu.

Die syrische Regierung wandte sich mit scharfen Worten gegen die Einrichtung einer solchen Pufferzone. Vize-Außenminister Faisal al-Mekdad wertet das als Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität Syriens.

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