Im Osten Jerusalems ist es zu gewaltsamen Protesten von Palästinensern gekommen: Sie bewarfen Polizisten mit Steinen, diese wiederum setzten Tränengas gegen die Protestierenden ein. Die Demonstranten begehrten gegen die israelische Polizei auf, die zuvor einen Palästinenser erschossen hatte. Die Polizei verdächtigte ihn, am Vorabend einen jüdischen Ultranationalisten durch Schüsse schwer verletzt zu haben. 

Die Demonstranten errichteten Barrikaden aus Müll und zündeten sie an. Zudem bewarfen die zum Teil vermummten Palästinenser die Polizisten mit Ziegeln und Steinen. Der Polizei gelang es trotz Tränengaseinsatzes nicht, die Krawalle zu beenden. Die Demonstranten formierten sich immer wieder neu und griffen die Sicherheitskräfte an. "Es wird zu einer neuen Intifada", sagte ein 65-jähriger Bewohner des betroffenen Vororts mit Verweis auf den Palästinenseraufstand von 1980. "Es ist so schlimm wie nie, alle sind wütend."

Nach Angaben der Polizei wurde der mutmaßliche Attentäter während eines Feuergefechts erschossen. Mehrere Hundert Sicherheitskräfte, unterstützt von Hubschraubern, seien im Einsatz gewesen, um den Täter ausfindig zu machen, berichteten Einwohner. Der Gesundheitszustand des angeschossenen jüdischen Aktivisten Jehuda Glick war Ärzten zufolge ernst, aber stabil. Der 48-Jährige war am Mittwochabend auf offener Straße von einem Motorradfahrer angegriffen worden.

Glick setzte sich für einen freien Zugang der Juden zum Gebet auf dem Gelände der Al-Aqsa-Moschee ein, was ihnen bislang nicht erlaubt ist. Das auch Tempelberg genannte Gebiet in der Altstadt von Jerusalem ist Muslimen und Juden heilig. Die Polizei riegelte die Moschee aus Sicherheitsgründen ab.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er habe Maßnahmen angeordnet, um die Sicherheit in Jerusalem und den Status Quo der heiligen Stätten aufrechtzuerhalten. Zunächst sei es nötig, "die Flammen zu löschen", sagte Netanjahu. "Keine Seite sollte das Recht selbst in die Hand nehmen." Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hingegen verurteilte das Vorgehen Israels. Die "israelische Aggression" komme fast einer Kriegserklärung gleich, sagte er. 

Seit Ende des Gaza-Krieges im August sind die Spannungen im arabischen Ostteil Jerusalems gestiegen. Fast jede Nacht kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern.