Die Angriffe des "Islamischen Staats" (IS) auf die eingekesselte Stadt Kobani werden immer heftiger. Während die meisten Bewohner der Großstadt in die nahe gelegene Türkei geflohen sind, feuerten die Extremisten rund 60 Granaten auf die äußeren Bezirke der Stadt ab. Es seien die härtesten Angriffe seit Beginn der IS-Offensive auf die Kurden-Stadt Kobani, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Der US-Sender CNN berichtet, der IS habe bereits erste Straßenzüge der Stadt eingenommen. Dschihadisten hätten die Kontrolle über den südwestlichen Teil der Stadt übernommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte widersprach jedoch der Meldung.

Kurdische Volksschutzeinheiten (YPG) versuchen seit Tagen, die Stadt gegen die vorrückenden Kämpfer zu verteidigen. Nach eigenen Angaben wurden drei IS-Angriffe zurückgeschlagen. Die Lage sei jedoch "sehr kritisch", sagte ein Sprecher.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu versprach den kämpfenden Kurden und der Zivilbevölkerung in der Stadt Hilfe. "Wir würden nicht wollen, dass Kobani fällt", sagte Davutoğlu nach Angaben des Senders "A Haber". "Wir werden tun, was immer nötig ist, um zu verhindern, dass das passiert."

Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstagabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt. Die türkische Regierung kann nun mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen in den Nachbarländern vorgehen.

Die syrische Führung warnte Ankara davor, türkische Truppen jenseits der Grenze zu stationieren. Dies würde als "Aggression" angesehen, teilte das syrische Außenministerium mit. Zugleich forderte es die internationale Koalition auf, der Regierung des Nato-Landes Türkei "Grenzen für ihre Abenteuer" zu setzen. Noch vor kurzer Zeit hatte Syrien die Welt um Hilfe im Kampf gegen den IS gebeten.

Laut syrischer Beobachtungsstelle griffen die IS-Extremisten Kobani (Arabisch: Ain al-Arab) von Süden und von Südosten her an. Den Kurden sei es gelungen, zwei IS-Fahrzeuge zu zerstören. Die Menschenrechtler wiesen Meldungen zurück, die Extremisten seien von Süden her in die Stadt vorgestoßen.

Bisherige Angriffe sind nicht effektiv genug, sagen Kurden

Asia Abdullah, Ko-Vorsitzende der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), richtete einen Hilferuf an die USA und forderte stärkere Luftangriffe auf die Terrormiliz. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse deren Kämpfer direkt an der Frontlinie in Kobani bombardieren, forderte sie. Die bisherigen Angriffe seien nicht effektiv gewesen. Statt den IS direkt in Kobani anzugreifen, habe das von den USA geführte Bündnis in der Nacht auf Freitag seine Gegner weit entfernt von der umkämpften Stadt bombardiert.

Die PYD und die Volksschutzeinheiten stehen der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. PKK-Chef Abdullah Öcalan warnte im Fall eines Massakers durch den IS in Kobani vor einem erneuten Aufflammen des bewaffneten Konflikts mit der türkischen Regierung.

Die USA, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in den vergangenen Tagen IS-Ziele bei Kobani bombardiert. In der Nacht auf Freitag flogen sie Angriffe im Norden und Osten Syriens. Dabei wurden Ziele in der Nähe von Hasaka, Dair as-Saur, Rakka sowie nordöstlich von Aleppo attackiert, teilte das US-Zentralkommando in Tampa mit.

Der Sprecher der kurdischen Volksschutzeinheiten, Redur Chelil, sagte, die Luftangriffe der internationalen Koalition in den vergangenen Tagen reichten nicht aus, um den Vormarsch der IS-Terroristen zu stoppen. "Unsere Menschen werden getötet und vertrieben, aber niemand kümmert sich darum", sagte er.