Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben die Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobani nach tagelangem Warten die erste Verstärkung erhalten. Rund 50 bis 70 bewaffnete Kämpfer der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) seien in der Stadt eingetroffen, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan der Nachrichtenagentur dpa. Anhänger der FSA berichteten schon vor einigen Tagen, Teile der umkämpften Stadt erobert zu haben.

Neben den Streitkräften der FSA sind auch etwa 150 Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak auf dem Weg in die Region. Noch befänden sie sich in der türkischen Grenzregion, würden Kobani aber "sehr bald" erreichen, teilte ein führender irakischer Kurdenvertreter mit.

Eine erste Gruppe mit etwa 80 Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak war am Mittwochmorgen auf dem Flughafen im südtürkischen Şanlıurfa gelandet. Von dort aus machte sich der Trupp auf den Weg über die Grenze nach Syrien. Ein Konvoi mit weiteren 70 Schwerbewaffneten soll aus dem Nordirak über den Landweg nach Kobani gelangen. Die beiden Gruppen wollen sich vor dem Grenzübertritt wiedervereinigen.   

Die Türkei hatte in der vergangenen Woche die Erlaubnis gegeben, dass die Peschmerga über ihr Staatsgebiet in die Region reisen dürfen. Auch die Kämpfer der FSA kamen laut der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte über die Türkei nach Kobani. Die Kampfverbände nach Kobani reisen zu lassen, sei der einzige Weg, der Stadt zu helfen, weil andere Staaten den Einsatz von Bodentruppen gegen den IS verweigerten, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu der britischen BBC. 

Mitte September hatten die IS-Terroristen erste Angriffe auf den Grenzort zu Syrien begonnen. Dutzende umliegende Dörfer brachten sie bereits in ihre Gewalt, inzwischen kontrollieren sie auch Teile Kobanis. Mehr als 800 Menschen wurden laut Aktivisten bei den Kämpfen bislang getötet. Mehr als 200.000 Bewohner der Region flohen in die Türkei

IS-Kämpfer nahmen Teile eines Gasfeldes in der Nähe von Homs ein

Die FSA ist mit dem syrischen Oppositionsbündnis Nationale Syrische Koalition verbunden, das vom Westen und der Türkei im Kampf gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt wird. Das Verhältnis der FSA zu den kurdischen Volksschutzeinheiten war in der Vergangenheit belastet. Regierungsgegner hatten den syrischen Kurden vorgeworfen, mit dem Regime zu kooperieren. Die Terrormiliz IS ist jedoch ihr gemeinsamer Feind. 

Die Kämpfe um die Stadt zwischen den kurdischen Volksschutzeinheiten und den Extremisten gingen weiter. Laut den Menschenrechtsbeobachtern bombardierten die USA und ihre arabischen Verbündeten erneut IS-Stellungen. Bei Gefechten um ein Gasfeld östlich der syrischen Stadt Homs töteten IS-Kämpfer unterdessen mindestens 30 Soldaten und Anhänger des syrischen Regimes. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht.

Die Extremisten hätten Teile des Gasfeldes eingenommen, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Der IS kontrolliert in Syrien bereits mehrere Öl- und Gasfelder. Aus dem Verkauf der Rohstoffe finanzieren sich die Extremisten größtenteils.