Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Abzug der russischen Truppen von der ukrainischen Grenze angeordnet. "Der Staatschef hat den Verteidigungsminister angewiesen, den Rückzug der Soldaten in ihre Kasernen zu starten", teilte der Kreml am späten Samstagabend mit.

Putin hatte sich zuvor mit seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu getroffen. Dem Kreml zufolge gilt der Rückzugsbefehl für 17.600 Soldaten, die im Sommer an Manövern in der südlichen Region Rostow an der Grenze zur Ukraine teilgenommen hatten.

Der Schritt folgte wenige Stunden nach der Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, er werde kommende Woche in Mailand Putin treffen und mit ihm über die Beilegung des Konflikts im Osten seines Landes beraten. In Mailand findet am Donnerstag und Freitag ein Europa-Asien-Gipfel statt.

Moskau wirft Ukraine Beschuss von Zivilisten vor

Mit der Anordnung zum Truppenabzug kommt Moskau einer Kernforderung der ukrainischen Regierung und des Westens nach, um den Ukraine-Konflikt zu entschärfen. Die Führung in Kiew und der Westen hatten die Stationierung russischer Truppen in der Nähe der Konfliktregion als Provokation kritisiert. Vor dem Beschluss der Feuerpause Anfang September hatte es Berichte über russische Kämpfer in den Reihen der moskautreuen Separatisten sowie über Waffenlieferungen über die Grenze gegeben, die der Kreml zurückwies.  

Am Samstag hatte Russland der Ukraine vorgeworfen, mit tödlichen Angriffen auf Zivilisten gegen die vor fünf Wochen vereinbarte Feuerpause zu verstoßen. Zwar seien die Gefechte im Konfliktgebiet zuletzt zurückgegangen, doch setzten Regierungstruppen den Beschuss in Donezk, Luhansk und anderen Orten fort, sagte der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin in einer vom Außenministerium in Moskau veröffentlichten Rede. Kelin forderte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu einer Untersuchung auf. Kiew gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Sowohl die Armee als auch die prorussischen Separatisten warfen sich gegenseitigen Beschuss in der Nacht zum Samstag vor. Separatistenführer Alexander Sachartschenko rief eine "absolute Waffenruhe" aus. Wenn diese eingehalten werde, solle in wenigen Tagen der vereinbarte Abzug schwerer Kriegstechnik von der Front beginnen, sagte er russischen Agenturen zufolge. Die Führung in Kiew hatte am Dienstag eine Einhaltung der seit 5. September brüchigen Feuerpause gefordert, um die geplante entmilitarisierte Zone einzurichten.