Amtsinhaberin Dilma Rousseff hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Brasilien für sich entschieden.  Nach Auszählung von 99,91 Prozent der Stimmen sicherte sie sie sich mit 41,6 Prozent zwar klar den ersten Platz. Die Überraschung des Wahlsonntags gelang Aécio Neves von der eher mitte-rechts stehenden Sozialdemokratischen Partei PSDB . Der frühere Gouverneur und Senator kam auf 33,6 Prozent und übertraf damit deutlich seine Umfragewerte. Beide treten am 26. Oktober in der Stichwahl gegeneinander an.

Neves erreichte rund 34 Prozent der Stimmen. Die wochenlang als größte Widersacherin Rousseffs gehandelte sozialliberale Kandidatin Marina Silva ist damit in der ersten Runde klar ausgeschieden. Zunächst wollte sie keine Wahlempfehlung abgeben. Allerdings deutete sie an, dass sie sich nicht hinter Rousseff stellen werde. "Brasilien hat klar signalisiert, dass es nicht den Status quo will", sagte sie.

Präsidentin Rousseff sprach am Wahlabend von einem klaren Sieg in der ersten Runde. Der Kampf werde ganz ohne Zweifel siegreich sein. Sollte sie als Siegerin aus der Stichwahl hervorgehen, wäre ihre Arbeiterpartei am Ende ihres zweiten Mandats im Jahr 2018 rund 16 Jahre an der Macht. Ihr Mentor und Parteigenosse Lula da Silva hatte von 2003 bis 2010 regiert. 

Die Wahl wurde allgemein als Abstimmung über die zwölfjährige Amtszeit der Arbeiterpartei (PT) von Rousseff und ihrem Vorgänger gewertet. Die beiden Präsidenten können sich zugute halten, rund 30 bis 40 Millionen Brasilianer aus der Armut geholt zu haben. Allerdings kämpfte die linksgerichtete PT-Regierung zuletzt mit zahlreichen Korruptionsskandalen und Vorwürfen der Verschwendung von Steuermitteln für prestigeträchtige Sportveranstaltungen.

Neves kann in der Stichwahl mit der Rückendeckung der Sozialdemokraten rechnen, die in ganz Brasilien gut aufgestellt sind.  Er ist ist vor allem durch seine Amtszeit als Gouverneur des wirtschaftsstarken Bundesstaates Minas Gerais bekannt, wo er von 2003 bis März 2010 regierte und mit Zustimmungswerten von über 90 Prozent aus dem Amt schied. Allerdings sehen die meisten Experten Präsidentin Rousseff klar in der Favoritenrolle.