Johannis kommt demgegenüber nicht nur zugute, dass er bislang kein nationaler Politiker ist, weil die Wähler denen allesamt nicht mehr trauen. Sondern auch, dass er zur deutschen Minderheit gehört. Denn die Deutschstämmigen werden seit jeher in Rumänien wegen ihrer Effizienz geschätzt. So gilt Sibiu unter ihm im Vergleich zu anderen rumänischen Städten auch als vorbildlich und erfolgreich geführt.

Johannis hat allerdings auch mächtige Widerstände gegen sich. So werden die größten TV-Stationen des Landes alle von Pontas PSD kontrolliert. Mal wird dem Kandidaten dort vorgeworfen, kein richtiger Rumäne zu sein, mal seine mangelnde Erfahrung, seine Kinderlosigkeit oder sein Immobilienbesitz.

Johannis genieße zwar einen guten Ruf, doch gelte eben als Provinzpolitiker, sagt Politikanalyst Pârvulescu: "Viele zweifeln an seinen Fähigkeiten als nationale Führungsfigur." 

"Die Leute wollen den Status quo"

Sein Gegner Ponta kann zudem auf den Phlegmatismus der Bevölkerung vor allem auf dem Land bauen. "Die Leute dort wollen keine Änderung, sie wollen den Status quo", sagt Robert Similea, Miteigentümer einer kleinen PR-Agentur. Er selbst werde für Johannis stimmen. Doch wenn der gewinnen wolle, müsse er vor allem bisherige Nichtwähler für sich gewinnen: "Er ist die einzige Hoffnung, dass sich hier irgendetwas ändert. Gewinnt Ponta, bleibt alles beim Alten."

Dem Kandidaten ist das durchaus bewusst. Aber er will sich auf die politischen Gesetzmäßigkeiten im Land nicht einlassen. Mit Attacken gegen die Gegner hält er sich daher zurück und präsentiert sich stattdessen als pragmatischer Macher. Er sei eben für "weniger unnötiges Gerede und für mehr Lösungen", sagt er.

Am Ziel seiner Wahlkampf-Radtour in einem Bukarester Park hält Johannis dann auch nur eine sehr kurze Rede von gerade einmal einer Minute. Radu Badoju, einer der Zuhörer, reagiert enttäuscht. Ob er wählen gehen werde, wisse er noch nicht, sagt der Familienvater ratlos. Johannis sei sicher ein ehrenwerter Mann, aber seine Partei unterscheide sich kaum von der Konkurrenz. Und er glaube nicht, dass er die Politik verändern könne, selbst wenn er gewählt werde: "Wir sind noch immer ein feudales Land. Die Frage ist, ob ein Mann diese Strukturen und unsere Mentalität überhaupt ändern kann."