Während die Welt auf die syrische Grenzstadt Kobani schaut, die kurdische Volksschutzeinheiten seit Wochen gegen IS-Kämpfer verteidigen, spitzt sich die Situation im irakischen Sindschar-Gebirge zu. Dort hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nach Angaben einer jesidischen Bürgerwehr etwa 10.000 Menschen eingekesselt. Bei ihnen soll es sich mehrheitlich um Zivilisten handeln, etwa 3.000 von ihnen gehören jesidischen Bürgerwehren an, die seit der IS-Offensive Anfang August versuchen, ihre Dörfer gegen die Terrormiliz zu verteidigen. 

Nach übereinstimmenden Medienberichten sind die zurückgebliebenen Jesiden vom IS eingekesselt, Fluchtwege wurden blockiert, Hilfsgüter abgefangen. Während die syrische Kurdenregion Qamishli Ende August noch für Tausende Jesiden als Fluchtkorridor gedient hatte, sind die etwa 10.000 Menschen nun gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten. Jesidischen Aktivisten zufolge haben IS-Kämpfer in den letzten drei Tagen alle Dörfer um das Gebirgsmassiv eingenommen. Sie sollen sich mittlerweile in Sichtweite der Eingekesselten befinden.     

Von zehn deutschen Staatsbürgern ist bekannt, dass sie sich im Sindschargebirge aufhalten, um die Bürgerwehren vor Ort zu unterstützen. Diese forderten die Staatengemeinschaft nun zum Handeln auf und warnten vor einem Massaker.

Offenbar kreisen Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe über dem Gebiet, greifen jedoch nicht ein. Auch die irakische Armee soll mit ihrer Luftwaffe vor Ort sein, wegen des anhaltenden Nebels jedoch ebenfalls nicht angreifen. Auch von den Perschmerga-Kämpfern bleibe jegliche Hilfe aus, berichten jesidische Aktivisten.

Im Sindschargebirge befinden sich viele heilige Stätten der Jesiden. Noch am Mittwoch konnten Bürgerwehren einen Teil des Heiligtums Scherfedin halten. Zuvor war bereits berichtet worden, der IS hätte den Ort eingenommen.

UN wirft IS versuchten Genozid vor

Viele Jesiden waren erst vor wenigen Wochen aus Flüchtlingslagern in ihre Dörfer im Sindschar-Gebirge zurückgekehrt. Dorthin waren sie Ende August geflüchtet, als der IS seinen Eroberungszug begonnen hatte.

Die Vereinten Nationen (UN) warfen dem "Islamischen Staat" am Mittwoch zum wiederholten Male einen versuchten Völkermord an den Jesiden vor. Der für Menschenrechte zuständige UN-Diplomat Ivan Simonovic sagte nach seiner Rückkehr aus dem Irak, einige Fakten sprächen dafür. Es gebe Beweise für die Versuche des IS, die Jesiden und ihre Religion zu vernichten. Zwangskonvertierungen, Versklavung, Vergewaltigung und brutale Hinrichtungen seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.