Die Terrormiliz "Islamischer Staat" setzt scheinbar unbeeindruckt von den internationalen Luftangriffen ihren Vormarsch in Kobani fort. Aktivisten zufolge sollen sie die nordsyrische Kurdenhochburg gar von drei Seiten angegriffen haben. Die Türkei will sich weiterhin nicht in die Kämpfe einmischen. Während sich die Kurden alleingelassen fühlen, wächst bei deutschen Politikern der Unmut über die Türkei.

Der Grünen-Politiker Volker Beck rief dazu auf, den türkischen Botschafter in Berlin einzubestellen. Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte in der Welt am Sonntag, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan torpediere mit seinem Verhalten den Versöhnungsprozess der Kurden in der Türkei.

Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz will Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die arabischen Länder, die Türkei und den Iran zur Kooperation bewegen. Er reist am heutigen Sonntag nach Saudi-Arabien, um für ein abgestimmtes Vorgehen im Kampf gegen die Terrormiliz IS zu werben. Steinmeier versuche die Länder zu überzeugen, "dass es notwendig ist, gemeinsam gegen den IS vorzugehen", sagte Steinmeier dem Tagesspiegel am Sonntag. Dazu müssten "alte Feindschaften überwunden werden". Er wolle darüber im saudiarabischen Dschidda mit der dortigen Führung sprechen. 

Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff forderte in der Welt am Sonntag, die Nato müsse auf ihren Partner Türkei einwirken. SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich sagte der Zeitung, der Erklärung der türkischen Regierung, sie werde nicht zusehen, wie Kobani durch den IS zerstört werde, "müssen nun Taten folgen".

Die USA arbeiteten derweil weiter daran, auch andere internationale Partner für die Trainingsmission zu gewinnen, darunter jene im Nahen Osten. Bei Gesprächen über eine aktivere Rolle der Türkei im Kampf gegen die Terrormiliz seien laut Pentagon-Chef Chuck Hagel "erhebliche Fortschritte" erzielt worden. Ziel der Verhandlungen sei es, die Regierung in Ankara zur Ausbildung und Ausrüstung moderater syrischer Rebellen zu bewegen, sagte Hagel. Laut einem ranghohen US-Beamten habe sich die Türkei auf Bitten der USA zur Ausbildung moderater syrischer Rebellen auf ihrem Territorium bereit erklärt. Mit Blick auf die Kämpfe um die syrisch-kurdische Stadt Kobani sagte der Pentagon-Chef, die US-Luftangriffe gegen die IS-Einheiten würden fortgesetzt.

Die USA und mehrere arabische Staaten haben vor allem in den vergangenen Tagen Angriffe auf IS-Stellungen rund um Kobani geflogen. US-Regierungskreisen zufolge könnte die Stadt in den kommenden Tagen dennoch in die Hand der Islamisten fallen, die bereits weite Teile Syriens und des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht haben.