Die Türkei will irakische Peschmerga-Kämpfer über die Grenze nach Syrien lassen, um dort gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu kämpfen. Das bestätigte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei unterstütze die kurdischen Peschmerga dabei, nach Kobani zu gelangen, sagte er demnach. Man habe kein Interesse daran, dass die Stadt an der Grenze zur Türkei in die Hand von Dschihadisten falle. Çavuşoğlu sagte, die Türkei arbeite mit der Koalition gegen den IS zusammen. Weitere Details zu der Ankündigung nannte er nicht. Die Einreise türkischer Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nach Syrien soll offenbar weiter untersagt bleiben.

Die Ansage aus Ankara stellt einen Kurswechsel der türkischen Regierung dar. Bisher hat die Türkei kurdischen Kämpfern verboten, die Grenze nach Syrien zu überqueren. Die Regierung wirft den Kurden vor, der PKK nahezustehen. Die Türkei will verhindern, dass kurdische Aktivisten mit Verbindungen zu der Arbeiterpartei durch ein militärisches Eingreifen gestärkt werden könnten. Die Kurden hingegen werfen der türkischen Regierung vor, die Terrormiliz insgeheim zu unterstützen. 

Eine direkte türkische Unterstützung der syrisch-kurdischen Partei PYD schloss Çavuşoğlu weiterhin aus. Die Volksschutzeinheiten der PYD kämpfen in Kobani gegen den IS. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die syrisch-kurdische Partei kürzlich als "Terrororganisation" bezeichnet.

Die irakisch-kurdische Nachrichtenseite Rudaw meldete unter Berufung auf eine ungenannte Quelle, die Türkei erfülle mit der Passage eine Bitte des Präsidenten der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Massud Barsani. Barsanis Plan sei mit der PYD und den Volksschutzeinheiten (YPG) abgesprochen.   

Türkei will US-Waffenlieferungen auswerten

Nur wenige Stunden vor der Ansage des Außenministers hatten die USA damit begonnen, die Kurden in der umkämpften syrischen Stadt Kobani mit Waffen, Munition und medizinischen Hilfsmittel aus der Luft zu versorgen. Die Aktion sollte dazu beitragen, die Verteidigung der Stadt gegen den Ansturm des IS aufrechtzuerhalten. Die Waffenlieferungen der USA würden "ausgewertet", sagte der türkische Außenminister. Erdoğan hatte sich am Wochenende gegen ausländische Waffenlieferungen an die PYD ausgesprochen.

Die Türkei geriet zuletzt zunehmend unter Druck, sich stärker an den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung des IS zu beteiligen. Gebiete zwischen der kurdischen Autonomieregion im Nordirak und Kobani werden von der Terrormiliz IS beherrscht. Der einzige Landweg führt über die Türkei. Kobani liegt in Syrien unmittelbar an der Grenze zur Türkei und wird seit Wochen von der Terrormiliz belagert. Die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten liefern sich seither einen erbitterten Kampf mit IS-Kämpfern. Bei der Verteidigung der Stadt werden sie von einer von den USA angeführten Militärallianz aus der Luft unterstützt.