Russland hat den Ausgang der Parlamentswahl in der Ukraine anerkannt. Die Führung in Kiew könne sich mit der Machtkonstellation nun "ernsthaft um die Lösung der Kernprobleme der Gesellschaft kümmern", sagte der russische Vize-Außenminister Grigori Karassin. Es sei nötig, mit der gesamten Gesellschaft und insbesondere mit den Vertretern der Regionen den Dialog aufzunehmen. Das Ergebnis biete die Chance, das Friedensabkommen für die Ostukraine umzusetzen, hieß es vom Außenministerium. Zugleich kritisierte die Regierung in Moskau aber einen "schmutzigen und harten Wahlkampf".

Die proeuropäischen Kräfte in der Ukraine sehen sich nach Auszählung der ersten Stimmzettel vor einem klaren Sieg. Nach Auszählung von mehr als einem Viertel der Stimmen kommen die Parteien von Präsident Petro Poroschenko und Ministerpräsident Arseni Jazenjuk jeweils auf mehr als 21 Prozent der Stimmen. Jazenjuks Volksfront würde demnach mit hauchdünnem Vorsprung stärkste politische Kraft, Poroschenkos Bündnis wäre der wahrscheinliche Koalitionspartner.

Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna sieht die Chance auf einen Neuanfang für das Nachbarland. "Die Ukraine geht nach Europa. Sie entscheidet über ihren europäischen Weg", sagte er. "Sicher wird es Probleme geben, denn das ist eine neue Ära ukrainischer Wirklichkeit", sagte er angesichts notwendiger Reformen in Verwaltung und Wirtschaft.

Ähnlich sieht es Litauen. "Diese Entscheidung zeigt, dass die Ukraine bereit ist, sich von ihrer Vergangenheit zu verabschieden und entschlossen den europäischen Weg zu gehen", sagte der litauische Außenminister Linas Linkevicius. Regierungschef Algirdas Butkevicius sagte, er hoffe, dass das neugewählte Parlament in Kiew das Land "auf den Weg des Friedens und der notwendigen Reformen führt". 

"Neustart ohne Extremisten"

Die Bundesregierung bezeichnete es als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer weiteren Stabilisierung der Ukraine. "Die Menschen in der Ukraine haben sich vor allem eindeutig für einen Neustart ohne Regierungsbeteiligung von Extremisten oder Populisten ausgesprochen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Allerdings sei es bedauerlich, dass die Separatisten die Wahl in den östlichen Landesteilen behinderten.

Die prorussischen Separatisten in der umkämpften Ostukraine kritisierten die Abstimmung dagegen als "Farce". Die Wahl habe in einer "Atmosphäre der Verängstigung der Leute, in einer Kriegsatmosphäre" stattgefunden, sagte der Separatistenführer Andrej Purgin.

In weiten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk hatten die Separatisten die Abstimmung nicht zugelassen. Sie planen für Sonntag gegen den Protest der Regierung in Kiew eigene Wahlen in ihren selbst ernannten Volksrepubliken, um deren Unabhängigkeit voranzutreiben. Wahlwillige konnten zwar in andere Bezirke ausweichen, wurden laut der Grünen-Wahlbeobachterin Rebecca Harms jedoch bedroht.

Russland und die Ukraine hatten im September ein Friedensabkommen geschlossen, das unter anderem einen Waffenstillstand vorsieht. Es kommt wegen anhaltender Kämpfe aber nur schleppend voran. Auch am Montag gab es nahe Donezk Gefechte. Wie Reporter berichteten, feuerten Kämpfer Dutzende Raketen bei Putilowski in der Nähe des örtlichen Flughafens ab.