Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine scharfe Reaktion auf den Anschlag gegen eine Synagoge in Jerusalem angekündigt. Die Attacke sei ein "grausamer Mord an Juden", die zum Beten gekommen seien, sagte er. Netanjahu machte für das Attentat die islamistische Palästinenserorganisation Hamas und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verantwortlich, die dazu angestiftet hätten.

Bei dem Anschlag auf die Synagoge im Stadtteil Har Nof sind mindestens vier Menschen getötet und weitere verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Briten und drei US-Bürger. Sie seien nach Israel eingewandert und verfügten über eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Zwei mutmaßlich arabische Angreifer hätten die Gläubigen mit Messern und Äxten angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten auch mit einem Revolver geschossen. Herbeigerufene Polizisten und ein Wachmann töteten die beiden Attentäter nach einem kurzen Feuergefecht. "Wir betrachten dies als terroristischen Angriff", sagte der Polizeisprecher.

Die Attacke ereignete sich während des Morgengebets. "Ich hörte Schüsse, einer der Betenden rannte blutüberströmt heraus und schrie 'Das ist ein Massaker'", sagte ein Augenzeuge im Radio. Der Stadtteil Har Nof ist ein ultraorthodoxes Stadtviertel im Nordwesten Jerusalems. Die Angreifer stammten nach Angaben der Polizei aus Ost-Jerusalem. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Die Organisation rief alle palästinensischen Fraktionen dazu auf, "gemeinsam Widerstand gegen die israelische Besatzung zu leisten".

Am Montag hatte es nach dem Tod eines arabischen Busfahrers Unruhen in der Stadt gegeben. Die Polizei geht von einem Selbstmord, die Familie jedoch von einem Mord jüdischer Extremisten aus.  

Hamas nennt Anschlag "heroische Tat"

Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reagierte ebenfalls umgehend auf den Anschlag. Er verurteilte den Angriff "auf jüdische Gläubige in ihrem Gebetshaus". Die Morde an Zivilisten seien verwerflich, ganz unabhängig davon, wer sie verübt habe. Noch vor der Stellungnahme von Abbas hatte US-Außenminister John Kerry "die palästinensische Führung auf jeder einzelnen Ebene" aufgerufen, "den Akt reinsten Terrors und sinnloser Brutalität auf das Schärfte zu verurteilen".

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas hingegen bezeichnete den tödlichen Anschlag als "heroische Tat". Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sprach von einer "natürlichen Reaktion". Es sei die Rache für den Tod des arabischen Busfahrers, sagte Al-Masri. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Hinrichtung" des Fahrers.

In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Es gab auch eine Serie von Anschlägen auf Israelis. Ein Auslöser der Spannungen war der Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen heilig ist.

Für Muslime ist das dortige Edle Heiligtum der drittheiligste Ort nach Mekka und Medina in Saudi-Arabien. Muslimische Gläubige sind nach einer seit Jahrzehnten geltenden Regelung die einzigen, die auf der Hochfläche mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee beten dürfen.

Den Juden ist der frühere Standort des biblischen Tempels ebenfalls heilig, und zwar in einem Maße, dass sie ihn eigentlich nicht betreten sollen. Doch hatten zuletzt Fundamentalisten die Anhöhe gezielt besucht. Einige fordern den Wiederaufbau des Tempels. Dies schürt bei Muslimen Sorge, Israel wolle die Kontrolle über die Stätte übernehmen.