Bei einem Messerangriff in Tel Aviv ist ein israelischer Soldat lebensgefährlich verletzt worden. Der palästinensische Angreifer habe mehrfach auf den Soldaten eingestochen; der Täter sei festgenommen worden, teilte ein israelischer Polizeisprecher mit. Man gehe von einem Anschlag aus. Der 18-jährige Angreifer stamme aus Nablus im nördlichen Westjordanland und halte sich ohne Genehmigung in Israel auf.  

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Armee nahe dem Hagana-Bahnhof im Süden der Küstenmetropole. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort notoperiert.  

Nur wenige Stunden später griff nach Angaben israelischer Medien ein Palästinenser an einer Bushaltestelle nahe einer jüdischen Siedlung im Westjordanland mehrere Israelis an. Dabei starb eine junge Frau, zwei weitere Israelis wurden verletzt. Ein Wachmann schoss auf den Attentäter und verletzte ihn lebensgefährlich. Ein israelischer Polizeisprecher sagte, der Mann sei aus einem Auto ausgestiegen und habe auf Menschen eingestochen, die an einer Schnellstraße an der Haltestelle standen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte mit Drohungen auf den Anschlag von Tel Aviv: Vor Mitgliedern seiner Likud-Partei kündigte er unter anderem an, die Häuser von Unruhestiftern niederzureißen. Palästinensischen Demonstranten in Ostjerusalem und in Israel empfahl Netanjahu den Umzug ins Westjordanland oder in den Gazastreifen. "Glaubt mir: Wir werden euch keine Steine in den Weg legen", sagte er.

Der rechtsorientierte Wirtschaftsminister Naftali Bennett rief zu einer härteren Bestrafung palästinensischer Angreifer auf. Er bezeichnete Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als "Terroristen im Anzug" und forderte, Israel müsse ihn dementsprechend behandeln.  

Unruhen und Serie von Anschlägen

Schon vor dem Anschlag waren die Sicherheitskräfte aus Furcht vor neuen Unruhen in Israel und den Palästinensergebieten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Israelis und Palästinenser streiten vor allem um den Zugang zum Tempelberg, der sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Anschläge sowie Straßenschlachten gegeben. Vergangene Woche fuhr ein palästinensischer Attentäter in Ostjerusalem mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge, dabei starben ein Polizist und der Angreifer. Der Attentäter war Mitglied der radikalen Palästinenserorganisation Hamas.

Bei Unruhen im Norden Israels töteten israelische Polizisten am Wochenende einen 22-jährigen israelischen Araber. Die Vorfälle nährten die Furcht vor einem neuen Palästinenseraufstand, einer Intifada, gegen die israelische Besatzung.  

Vor der Küste von Gaza verletzte die israelische Marine am Montag nach palästinensischen Berichten zwei Fischer und zerstörte ihr Boot. Eine israelische Armeesprecherin sagte, es habe sich um ein Schmugglerboot gehandelt, das auf dem Rückweg aus Ägypten gewesen sei. Die Insassen hätten auf Aufrufe zum Anhalten nicht reagiert.

Im August war der jüngste Gaza-Krieg, der 50 Tage dauerte, mit einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe zu Ende gegangen. Teil der Vereinbarung war eine Ausweitung der Fischereizone von drei auf sechs Seemeilen. Seit Ende des Kriegs ist es vor der Küste mehrfach zu ähnlichen Vorfällen gekommen.