Die Grand Jury in Ferguson hatte ihre Entscheidung noch nicht getroffen, da hatten sich die beiden Gruppen im Netz längst in Stellung gebracht. "Alles, was ihr hochladet, werden wir runternehmen, jeden Kanal, den ihr verwendet, um den KKK zu bewerben, werden wir abschalten", schrieben die Aktivisten von Anonymous in einem offenen Brief auf der Seite Pastebin. "Seid friedlich, oder ihr werdet die Konsequenzen spüren." Zuvor hatten die Traditionalist American Knights of the Ku Klux Klan, eine Splittergruppe des Ku-Klux-Klan in Missouri, den Demonstranten in Ferguson auf Flugzetteln mit Gewalt gedroht, sollten diese wieder auf die Straße gehen.

Die Hacker hatten daraufhin die Kontrolle über mehrere Twitter-Konten des Ku-Klux-Klan übernommen und der Gruppierung den offenen Krieg erklärt. Anonymous hackte sich in E-Mail-Konten ein und stellte Namen und Telefonnummern von führenden Mitgliedern online. Selbst vermeintliche Verbindungen zwischen dem Klan und dem örtlichen Polizeirevier machte die Gruppe öffentlich. Innerhalb kürzester Zeit wurde die "Operation Ku Klux Klan" unter #OpKKK zum trending topic auf Twitter.

Seit Ferguson wieder ins Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit gerückt ist, hat auch der Ku-Klux-Klan die Chance erkannt, Aufmerksamkeit zu erregen. Gruppierungen des Klans sammelten Gelder für die Verteidigung von Darren Wilson und sprangen dem Polizisten zur Seite. Dass der Bund bis heute im amerikanischen Bewusstsein ist, zeigen auch die Protestmärsche in New York, Chicago oder Boston in den vergangenen Tagen. Immer wieder sieht man hier Schilder, auf denen die Demonstranten vor "AmeriKKKa" warnen. Die Demonstrationen, brüstete sich Frank Ancona, einer der prominentesten Köpfe der Bewegung, hätten zu einem "Ansturm" an neuen Mitgliedern geführt.

Zerstrittene Gruppen

Kenner der Szene halten das vor allem für Propaganda. Denn von dem Ku-Klux-Klan, wie man ihn aus dem frühen 20. Jahrhundert kennt, von den Übergriffen und öffentlichen Massakern im Süden Anfang des vergangenen Jahrhunderts, ist heute kaum noch etwas übrig. "Die Geschichte des Ku-Klux-Klans in den vergangenen Jahrzehnten ist eine des stetigen Abstiegs", sagt Mark Pitcavage von der jüdischen Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League in Washington, die den Klan seit Jahren beobachtet.

Inzwischen gibt es je nach Schätzung in den USA zwischen 36 und 160 verschiedene Gruppierungen. "Wir sprechen zwar der Einfachheit halber von dem Klan, aber das trifft es schon lange nicht mehr", so Pitcavage. Die einzelnen Gruppen teilten häufig nicht viel mehr als den Namen. Selbst die größten der Splittergruppen haben heute nicht mehr als hundert Mitglieder. Der Abstieg hat viele Gründe. Es gebe inzwischen zahlreiche Alternativen für Menschen mit ähnlichen Ansichten zu Einwanderung und Rassentrennung. "Und diese Optionen haben nicht den historischen Beigeschmack, den ein eher altmodisch wirkender Ku-Klux-Klan hat."