In der Ostukraine gibt es neue Hinweise auf eine russische Einmischung in den Konflikt zwischen der Ukraine und prorussischen Separatisten. Mehr als 80 nicht gekennzeichnete Militärlaster sollen sich Reportern der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge am Samstag auf dem Weg in von Separatisten kontrollierte Gebiete befunden haben. Die Fahrzeuge fuhren in drei getrennten Kolonnen. Es war zunächst nicht möglich, die Herkunft der Fahrzeuge einwandfrei zu bestimmen.

Ein Konvoi befand sich den Reportern zufolge nahe Donezk, der Hochburg der Separatisten. Die beiden anderen wurden vor der Stadt Snischne, rund 80 Kilometer weiter östlich, gesichtet. Bei den Fahrzeugen handelte es sich in erster Linie um Transportlaster ohne Hoheitszeichen. Einige von ihnen hätten klein- und großkalibrige Artilleriesysteme geladen. Auch mindestens ein Transportpanzer soll sich in dem Konvoi befunden haben. Zudem sollen einige Laster Soldaten transportieren, wie die AP-Reporter berichteten.

Andrej Lyssenko, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, sagte, die Rebellen hätten erhebliche Waffenlieferungen und Verstärkung von Soldaten aus Russland erhalten. Auch von einem neuen russischen Hilfskonvoi war die Rede. Bereits gestern sollen Lyssenko zufolge mindestens 32 Panzer und 16 Geschützsysteme die Grenze in die Ukraine überquert haben. Außerdem seien 30 Lastwagen mit Soldaten und Munition auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen.

Die Separatisten bestehen darauf, lediglich Waffen zu benutzen, die sie von gefangen genommenen ukrainischen Soldaten erbeutet haben. Die schiere Masse und Qualität ihrer Waffen hatten die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen jedoch seit Langem infrage gestellt.

Separatisten rekrutieren Zivilisten

Ein weiterer Sprecher des nationalen ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Wladimir Polewoi, sagte, Rebellen brächten ebenfalls Verstärkung zu den Frontlinien in der Region Luhansk. Die Behörden in einigen von prorussischen Rebellen kontrollierten Städten würden Einwohner zwangsweise zur Verstärkung ihrer Kämpfer mobilisieren.

Auch US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow besprachen bei einem Treffen in Peking die neuesten Entwicklungen in der Ukraine. Lawrow antwortete auf die Frage, ob Russland das Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung noch respektiere, die Konfliktparteien müssten selbst eine Trennlinie zwischen ihren Gebieten festlegen.

Die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland waren noch einmal gewachsen, nachdem die Rebellen am vergangenen Sonntag Wahlen abhielten, die der Westen und Kiew als Bruch des Waffenstillstandsabkommens verurteilten. Russland erklärte, die Wahl zu unterstützen.