Wladimir Putin bewertet die Annexion der Krim durch Russland im März nicht als einen Bruch des Völkerrechts. Zwar hätten russische Streitkräfte die auf der Krim stationierten ukrainischen Soldaten blockiert – "aber nicht deswegen, um jemanden dazu zu zwingen, zu den Wahlen zu gehen", sagte der russische Präsident in einem Interview mit der ARD.

Er sei fest davon überzeugt, dass sein Land in keiner Weise gegen das Völkerrecht verstoßen habe. Vielmehr sei es darum gegangen, ein Blutvergießen zu vermeiden, "um den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Meinung darüber zu äußern, wie sie ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder gestalten wollen", sagte Putin.

Er verglich den Fall mit dem Kosovo, wo die Unabhängigkeit lediglich per Beschluss des Parlaments erklärt wurde. "Auf der Krim gab es nicht nur einen Beschluss des Parlaments, es hat ein Referendum stattgefunden. Und sein Ergebnis war überwältigend."

Putin kritisiert Sanktionen und verteidigt Manöver

Der Kremlchef ging in dem Interview auch auf die Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland ein. Zumindest mittelfristig träfen diese auch den Westen und, wegen der engen Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere Deutschland: "Wenn (...) die finanziellen Möglichkeiten unserer Finanzinstitute beschnitten werden, können sie den Wirtschaftsakteuren in Russland, die mit deutschen Partnern zusammenarbeiten, weniger Kredite gewähren, so dass ihre Zahl sinken wird. Das wird früher oder später nicht nur bei uns, sondern auch bei Ihnen Auswirkungen haben", sagte Putin.

Angesprochen auf die umstrittenen Manöver der russischen Armee entgegnete er, diese fänden ausschließlich im internationalen Luftraum und in internationalen Gewässern statt. US-amerikanische Stützpunkte seien zudem in der ganzen Welt verstreut – "unter anderem auch nahe unserer Grenzen",  kritisierte der russische Präsident.

Putin wirft Ukrainern Neonazismus vor

Putin sagte weiter, dass es in der Ukraine zu "ethnischen Säuberungen" kommen könne. Es bestehe die Gefahr, dass die Ukraine in Richtung "Neonazismus" abdrifte. "Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine und das ukrainische Volk." Es seien "ja Menschen mit dem Hakenkreuz am Ärmel unterwegs". Auf den Helmen von Kampfeinheiten im Osten seien "SS-Symbole" zu sehen, sagte er. Doch die Regierung in Kiew schaue weg.

Zur Minsker Waffenstillstandsvereinbarung von Anfang September sagte Putin, bei deren Umsetzung gebe es Probleme. Tatsächlich würden einige Ortschaften im Südosten der Ukraine, aus denen bewaffnete Truppen der Milizen abziehen sollen, nicht geräumt. Das liege daran, dass die Menschen, die dort gegen die ukrainische Armee kämpfen, diese Dörfer als ihre Heimat ansähen. Sie befürchteten, bei ihrem Abzug würden "nationalistische Bataillone" einmarschieren und ihre Angehörigen töten. Andererseits räume auch die ukrainische Armee bestimmte Gebiete nicht, die sie räumen solle.