Wegen eines Sturms haben russische Kriegsschiffe laut dem Verteidigungsministerium in Moskau in der Nordsee Schutz im Ärmelkanal gesucht. Ein Zerstörer, ein Landungsboot, ein Rettungsschlepper sowie ein Tanker passierten den Kanal zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover und hätten in internationalen Gewässern in der Bucht der Seine vor Frankreich geankert, berichteten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Ministerium. Die Schiffe hätten sich seit dem 20. November an Übungen beteiligt.

Im Zuge der Ukraine-Krise hatten sowohl die Nato als auch Russland die Anzahl ihrer Manöver in Europa deutlich erhöht. Ende Oktober hatte die Nato ungewöhnlich viele Übungsflüge russischer Kampfjets im internationalen Luftraum, unter anderem über Nord- und Ostsee gemeldet. Allerdings halten sich die russischen Streitkräfte in neutralen Gewässern oder im internationalen Luftraum auf.      

Die Nato reagierte gelassen auf die Einfahrt russischer Kriegsschiffe in den Ärmelkanal. "Nach unseren Erkenntnissen sind die Schiffe auf der Durchreise und wurden vom schlechten Wetter aufgehalten", erklärte die westliche Militärallianz. "Sie führen aber keine Manöver durch, wie es uns manche russische Schlagzeilen glauben machen wollen."  

Die französische Marine teilte mit, der Aufenthalt russischer Kriegsschiffe im Ärmelkanal sei nicht ungewöhnlich. "Sie halten kein Manöver ab", sagte ein Sprecher. "Sie warten einfach nur in einem Gebiet, wo sie sich manchmal mehrmals im Jahr aufhalten."

Bundesregierung sieht keine dramatische Situation

Auch die Bundesregierung reagierte unaufgeregt. "Für uns ist das keine dramatische Situation", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Schiffe befänden sich in internationalen Gewässern. Eine Regierungssprecherin fügte aber hinzu, mit seinem Vorgehen sende Russland allerdings auch nicht unbedingt ein Zeichen, das den Wunsch nach einer Deeskalation unterstreiche.

Aus Kreisen der Deutschen Marine hieß es, die Einfahrt russischer Kriegsschiffe sei "überhaupt nichts Besonderes und auch keine Provokation, sondern ein ganz normales Verfahren". Derzeit sei ein Verband mit drei russischen Fregatten und einem Versorgungsschiff durch den Ärmelkanal unterwegs in den Nordostatlantik. Während der Fahrt gebe es Übungen. Dies sei durchaus üblich und etwas anderes als ein Manöver, das einen größeren Umfang hätte. Bei den Anrainerstaaten seien aber weder ein Manöver noch Schießübungen angemeldet worden.

Der Ärmelkanal zähle wie etwa die Straßen von Gibraltar oder Hormus zu den internationalen Seeschifffahrtsstraßen, die für jeden frei durchfahrbar seien, hieß es. Dies gelte auch für Kriegsschiffe, die dort weder ihre Radaranlagen abschalten noch sich anmelden müssten.