Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko will laut eigenen Worten keinen Krieg mit den russischen Truppen. "Wir wollen nichts mehr als Frieden", sagte er in einem Interview mit der Bild-Zeitung, das am Montag erscheint. "Wir sind bereit für Kompromisse und glauben, dass der Konflikt nicht militärisch gelöst werden kann."

Dennoch müsse er sich auf das Schlimmste einstellen. "Wir haben uns auf das Szenario für einen totalen Krieg vorbereitet", sagte Poroschenko. Die Armee sei in einem besseren Zustand als vor fünf Monaten und sein Land habe "Unterstützung aus der ganzen Welt".

Er habe zwar keine Angst vor einem Krieg, doch die Ukraine sei derzeit der gefährlichste Platz der Welt, sagte der Staatschef weiter. Das gelte auch im Vergleich zur Bedrohung durch die extremistische IS-Miliz und die Ereignisse im Nahen Osten. In der Ukraine befänden sich Tausende russische Soldaten, Hunderte Panzer und schwere Artillerie. "Es ist eine der größten Armeen der Welt, die uns und ganz Europa bedroht," so Poroschenko weiter. Russland halte sich an keine Absprachen.

Gauck stärkt Poroschenko den Rücken

Am Rande der Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag der "Samtenen Revolution" in der slowakischen Hauptstadt Bratislava traf Poroschenko mit Bundespräsident Joachim Gauck zusammen. Gauck sicherte dem ukrainischen Präsidenten Unterstützung zu. "Für mich steht außer Zweifel: Die Europäische Union muss weiterhin geschlossen handeln", sagte Gauck. Der Konflikt unterstreiche die Bedeutung Europas als Friedensprojekt. Zudem würdigte Gauck die Solidarität der Nachbarländer Polen, Slowakei und Ungarn, die der Ukraine im Konflikt mit Russland durch Gaslieferungen zur Seite stünden.

Die EU-Außenminister beraten am Montag über ihre Strategie im Ukraine-Konflikt und weitere mögliche Sanktionen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kündigte an, es solle über weitere Strafmaßnahmen gegen ukrainische Separatisten gesprochen werden. Eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ist nicht geplant. Die EU will zunächst erneut versuchen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin über Gespräche zum Einlenken zu bewegen.