Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Einstellung sämtlicher staatlicher Leistungen in den von Rebellen kontrollierten Gebieten im Osten des Landes angeordnet. Poroschenko beauftragte die Regierung in Kiew, innerhalb einer Woche alle "Aktivitäten staatlicher Unternehmen, Institutionen und Organisationen" in den Gebieten zu beenden, in denen "Anti-Terror-Operationen laufen". Das Dekret Poroschenkos beziehe sich auch auf Schulen, Krankenhäuser und Notfalldienste, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Das eingesparte Geld werde Kiew aber nicht einbehalten, sondern werde es als humanitäre Hilfe in die Gebiete zurückfließen lassen, sagte der Beamte.

Wie das Präsidialamt in Kiew bestätigte, sollen zahlreiche Staatsbetriebe und Behörden aus den Separatistengebieten abgezogen werden. Mitarbeiter und Einrichtungen sollten innerhalb einer Woche in andere Teile des Landes verlegt werden, hieß es. Zudem solle die Nationalbank im Laufe eines Monats die Zusammenarbeit mit den dortigen Geschäftsbanken einstellen.

Bereits vor einer Woche hatte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk angekündigt, künftig keine Sozialleistungen an Bürger in der Ostukraine auszuzahlen. "Wenn ein Teil der Regionen Donezk und Luhansk von Betrügern kontrolliert wird, wird die Regierung kein Geld mehr in dieses Gebiet schicken", hatte Jazenjuk gesagt. Gas und Strom sollten aber wegen des nahenden Winters weiter geliefert werden. 

Der Konflikt in der Ukraine ist auch Thema beim G20-Gipfel in Brisbane. US-Präsident Barack Obama warf seinem russischen Kollegen Wladimir Putin vor, seine Ukraine-Politik sei eine Gefahr für die Welt. Die russische Führung wies dagegen Vorwürfe zurück, sie destabilisiere die Ukraine. Die EU drohte Russland mit weiteren Sanktionen.

Berichte, dass der russische Präsident vorzeitig abreisen könnte, wies der Kremlsprecher Dmitri Peskow zurück. Putin werde bis zu Abschluss des Gipfels der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am Sonntagmittag in Brisbane bleiben, sagte Peskow der Agentur Interfax.

Am Samstagabend will Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Putin über die Ukraine-Krise beraten. Sie sagte vorab, sie hege wenig Hoffnung auf größere Fortschritte. "Ich verspreche mir jetzt keine qualitativen plötzlichen Veränderungen." Merkel betonte, die Situation sei nicht zufriedenstellend. Die europäische Seite sei bemüht, alles diplomatisch Mögliche zu tun, um Verbesserungen auch für die Menschen in der Ukraine zu erreichen.