Russland hat bestritten, Truppen in die Ukraine geschickt zu haben, um die prorussischen Separatisten im Osten des Landes zu unterstützen. Das Verteidigungsministerium wies die Darstellung der Nato zurück, dass Militärkonvois die Grenze überschritten hätten. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte den Ministeriumssprecher, Generalmajor Igor Konaschenkow, mit den Worten: "Es gab und gibt keinen Beweis" für eine solche Behauptung.

Die Nato hatte zuvor Berichte bestätigt, wonach die russische Militärpräsenz im Osten der Ukraine verstärkt wird. "In den vergangenen zwei Tagen haben wir dasselbe gesehen, wie die OSZE berichtet: Wir haben Kolonnen russischer Ausrüstung gesehen, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen, die in die Ukraine gebracht werden", sagte der Nato-Oberkommandeur, der US-General Philip Breedlove. Die genaue Anzahl der Einheiten sei unklar, doch bestünde Einigkeit, dass es "zahlreiche Kolonnen" seien.

Die Beobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte am Dienstag von einem Konvoi von Militärlastwagen ohne Kennzeichnung berichtet, die mit fünf schweren Artilleriegeschützen und fünf Raketenwerfern in Richtung der von den Rebellen kontrollierten Stadt Donezk fuhr. Bereits in den Tagen davor hatten OSZE-Beobachter und Journalisten verschiedentlich über große Militärkonvois auf dem Weg zur Frontlinie berichtet. Auch die Regierung in Kiew hatte dies beklagt.

Der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak sagte bei einer Kabinettssitzung in Kiew, die Ukraine müsse sich "auf den Kampf" vorbereiten. Die Separatisten und Russland verstärkten ihre Einheiten und Kiew bereite sich auf "unvorhersehbare Handlungen" vor. 

Grenze "weit offen"

Am Mittwoch wurde in Donezk aus dem Gebiet um den umkämpften Flughafen schwerer Artilleriebeschuss gemeldet, die Armee sprach von einem Toten und zwei Verletzten.

Die Grenze Russlands zur Ukraine sei "völlig porös" und "weit offen", sagte Breedlove. "Einheiten, Geld, Hilfen, Ausrüstung, Waffen fließen völlig unkontrolliert hin und zurück über die Grenze, und das ist keine gute Situation."

Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Russland seit Monaten vor, die prorussischen Separatisten mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen. Wie im Fall der ukrainischen Halbinsel Krim bestreitet Moskau die Präsenz eigener Truppen. Nach der Annexion der Krim im Frühjahr hatte Moskau allerdings bestätigt, dass dort Armeeeinheiten im Einsatz waren.