Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat davor gewarnt, internationale Truppen schnell aus Afghanistan abzuziehen. Die Nato habe viel erreicht, aber die Lage sei fragil, sagte von der Leyen. Sie sei für ein "langsames Ausgleiten und nicht für ein abruptes Ende" des Nato-Einsatzes, der 2001 begann. 

Das Militärbündnis beendet seinen Kampfeinsatz am 31. Dezember. Danach sollen 12.000 Soldaten in dem Land bleiben und afghanische Streitkräfte ausbilden, beraten und unterstützen. Für diesen Einsatz soll Deutschland 850 Soldaten entsenden. Wie lange diese neue, Resolute Support genannte Mission dauern soll, ist unklar.

Als warnendes Beispiel gilt der US-Einsatz im Irak. Die Vereinigten Staaten zogen ihre Soldaten 2011 rasch aus dem Land ab, nachdem sich beide Staaten nicht auf ein Truppenstatut einigen konnten. Drei Jahre später musste US-Präsident Barack Obama erneut Soldaten in das Land entsenden, in dem der IS Chaos und Gewalt verbreitet.

Von der Leyen landete am Samstagmorgen im Camp Marmal nahe Masar-i-Scharif, dem letzten Bundeswehrstützpunkt in Nordafghanistan. Es ist ihre dritte Reise in das Land, seit sie ihr Amt vor einem Jahr antrat. Dort lobte sie, welche Fortschritte Afghanistan gemacht habe: "Es ist zutiefst beeindruckend, wie wacker sich dieses Land schlägt."

Besorgt sei sie über die Sicherheitslage, sagte von der Leyen. Sie wies darauf hin, dass die Anschläge der Taliban zunehmen würden. Am Donnerstag hatte ein Attentäter in einer Schule in Kabul einen Deutschen getötet, der für eine Hilfsorganisation arbeitete. Allein in der ersten Jahreshälfte 2014 sind nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 1.600 Zivilisten getötet worden.