Kurz vor dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan hat die Gewalt gegen Zivilisten einen neuen Höchstwert erreicht. Nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (Unama) wurden im Zeitraum von Januar bis November 3.188 Zivilisten getötet und 6.429 weitere verletzt. So viele zivile Opfer in einem Jahr habe es seit Beginn der UN-Erhebungen 2009 nicht gegeben, sagte der Leiter der Mission, Nicholas Haysom. In etwa drei Viertel der Fälle stammten die Täter aus dem radikalislamischen Umfeld der Taliban.

Im Vergleich zum gesamten Jahr 2013 liegt die Zahl der ermordeten Zivilisten laut Unama-Erhebung bereits jetzt um 19 Prozent höher. Unter Kindern hat die Opferzahl demnach um 33 Prozent zugenommen, bei Frauen sind es zwölf Prozent. Schon jetzt sei klar, dass die Gesamtzahl bis Ende Dezember bei über 10.000 Toten liegen werde, sagte Haysom.  

Nach amerikanischen Angaben war 2014 auch für die afghanischen Sicherheitskräfte das bislang gefährlichste. Demnach wurden von Januar bis Oktober mehr als 4.600 Soldaten und Polizisten getötet.

Kampfeinsatz endet 2015

Zum Jahreswechsel endet nach 13 Jahren offiziell der Nato-geführte Isaf-Kampfeinsatz in Afghanistan. An der Folgemission Resolute Support zur weiteren Unterstützung der Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sollen sich fortan rund 12.500 Soldaten aus 40 Staaten beteiligen. Deutschland entsendet bis zu 850 Bundeswehrsoldaten.

Die neue Mission ist nach bisheriger Planung auf zwei Jahre angelegt. Zuletzt nahm die Zahl der Anschläge in Afghanistan wieder deutlich zu. Beobachter befürchten, dass die Gewalt weiteren Auftrieb erhalten könnte. Präsident Aschraf Ghani zeigt sich für Friedensverhandlungen mit den Taliban offen, was diese jedoch bislang ablehnen.