Über dem Himmel der irakischen Provinz Diyala sind F4-Phantom-Jagdbomber aufgetaucht. Damit ist klar, dass im Kampf gegen den "Islamischen Staat" nun auch der Iran mitmischt. Außer der Türkei verfügt in Nahost nur noch der Iran über diese betagten Jets, die dort noch zu Zeiten des Schah angeschafft wurden.

In Washington bestätigte der Sprecher des Pentagon, Admiral John Kirby, es gebe Anzeichen dafür, dass der Iran Luftangriffe gegen den IS geflogen habe. Die USA, die seit August gut 90 Prozent der Lufteinsätze gegen die Extremisten in Irak und Syrien durchgeführt haben, dementieren jedoch, ihre Operationen mit Teheran zu koordinieren. 

Ähnlich äußerte sich auch der Vizechef der iranischen Streitkräfte, General Massoud Jazayeri. Es sei "absolut unwahr", dass man Angriffe mit den USA abgesprochen habe. Iran betrachte Washington als verantwortlich für die Tumulte und Probleme im Irak. Die Vereinigten Staaten hätten "definitiv keinen Platz mehr in der Zukunft dieses Landes". 

Iraks neuer Premierminister Haider al-Abadi dagegen, der kürzlich erst zu einem eintägigen Antrittsbesuch in Teheran war, stellte sich ahnungslos. "Ich weiß nichts von iranischen Luftangriffen", sagte er.

Irans Kampf gegen den IS

Iran ist seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 durch die US-Invasion die wichtigste regionale Schutzmacht der seither mehrheitlich schiitischen Führung in Bagdad. Der Kommandeur der "Al Quds Brigaden", einer Spezialeinheit der Revolutionären Garden, General Qassem Suleimani, hält sich seit Monaten in der irakischen Hauptstadt auf, um Einsätze der schiitischen Milizen und regulärer Einheiten gegen die Gotteskrieger zu koordinieren. Irak verfügt abgesehen von Kampfhubschraubern faktisch über keine eigene Luftwaffe. Bereits vor Kurzem hatte Iran daher drei alte sowjetische Sukhoi Su-25 Kampfjets an den Irak geliefert, die allerdings offenbar weiterhin von iranischen Piloten geflogen werden. 

Das Handeln des Iran ist nicht mehr nur strategischer Natur, sondern gilt einer ganz unmittelbaren eigenen Bedrohung: Die IS-Milizen haben inzwischen auch Ortschaften in der Nähe der irakisch-iranischen Grenze besetzt.       

Die spektakulären Luftangriffe der Islamischen Republik sind offenbar vor allem ein politisches Signal an die Anti-IS-Konferenz in Brüssel, zu der der iranische Außenminister Javad Zarif nicht eingeladen ist. Zum einen will das Land dem Westen seine Kooperationsbereitschaft im Kampf gegen den IS demonstrieren, zum anderen den versammelten Außenministern ins Bewusstsein rufen, dass ohne den Iran keine Lösung für Irak und Syrien möglich ist. Anfang kommender Woche organisiert Teheran eine eigene internationale Konferenz gegen IS, an der angeblich Vertreter aus über 80 Ländern teilnehmen. 

Streitpunkt Assad

Bereits Mitte Oktober hatte US-Präsident Barack Obama in einem Brief an Irans Obersten Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei vorgeschlagen, beide Nationen könnten nach einer Einigung im Atomstreit ihr Vorgehen gegen den IS koordinieren. 

Eigentlich sind das gute Voraussetzungen für ein politisches Tauwetter. Wäre da nicht der Streitpunkt Assad. In Syrien unterstützt der Iran seit knapp vier Jahren unbeirrt das Regime von Baschar al-Assad. Dessen Krieg gegen das eigene Volk hat inzwischen mehr als 200.000 Tote gefordert und die Hälfte der 23 Millionen Syrer zu Flüchtlingen gemacht. In dieser Frage ist eine Annäherung zwischen dem Iran und dem Westen in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.