Nachdem sie große Teile des Sindschar-Gebirges im Nordirak befreien konnten, haben kurdische Peschmerga-Kämpfer dort ein Massengrab mit  rund 70 Menschen gefunden. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw berichtet, dass es sich bei den Toten um Jesiden handeln soll, die von Kämpfern des "Islamischen Staates" ermordet wurden. Die Terrormiliz hatte seit August Tausende Flüchtlinge im Sindschar eingekesselt, vor allem Jesiden. Viele konnten nach Wochen der Hungersnot gerettet werden, zuletzt befanden sich noch rund 9.000 Flüchtlinge in dem Gebiet.

Die Peschmerga hatten in einer Offensive seit Donnerstag IS-Stellungen auf dem Hochplateau angegriffen. Nach Informationen von Rudaw rückten sie bis in die zuvor vom IS kontrollierte Stadt Sindschar südlich des gleichnamigen Gebirges vor. Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete, die Stadt sei komplett zurückerobert worden.

Auch im nordsyrischen Kobani vermeldeten kurdische Kämpfer Erfolge. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hätten einen seit Freitagabend andauernden Angriff des IS abgewehrt und 26 Gegner getötet. Sieben weitere Dschihadisten seien anschließend bei einem Gegenangriff an der Ostfront der seit Mitte September belagerten Stadt getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung der Zahlen gibt es nicht.

IS exekutiert offenbar hundert ausländische Kämpfer

Die sich häufenden Niederlagen wirken sich offenbar auf die Moral der IS-Kämpfer aus. So berichtet die Financial Times unter Berufung auf einen syrischen Informanten, dass die Terrormiliz zuletzt etwa hundert ausländische Kämpfer hingerichtet haben soll. Offenbar hatten sich die Männer vorzeitig aus Kämpfen zurückgezogen, um in die IS-Hochburg Rakka zu fliehen.

"Die Moral ist nicht gefallen, sie ist am Boden", zitiert die Zeitung einen Oppositionellen aus einem vom IS kontrollierten syrischen Gebiet. Die lokalen Kämpfer seien von ihren ausländischen Mitstreitern frustriert. "Sie denken, dass sie die meiste Arbeit machen und sterben, während die ausländischen Kämpfer sich auf ein Abenteuer einließen und jetzt müde sind."

Gegen diese Kriegsmüdigkeit geht der IS nun offenbar gezielt vor. Zumindest für Nordsyrien soll es einen Erlass geben, demzufolge sich ausländische Kämpfer binnen 48 Stunden bei ihren Vorgesetzten melden müssen, um eine Bestrafung zu vermeiden. Darüber hinaus soll der IS in Rakka rund 400 ausländische Mitstreiter festgesetzt und für die anderen eigens erstellte Pässe zur besseren Identifikation ausgegeben haben.

Gysi erwägt militärische Ausbildung in Deutschland

Unterdessen hat sich der Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi, für eine militärische Ausbildung von kurdischen Kämpfern in Deutschland ausgesprochen. "Eine Ausbildung, darüber kann man ja reden", sagte Gysi im SWR. Allerdings müssten auch andere kurdische Gruppen einbezogen werden und nicht nur die Peschmerga. "Warum keine Jesiden, warum keine Christinnen und Christen, warum keine Anhänger der türkisch-kurdischen PKK, warum keine Anhänger der syrisch-kurdischen PYD?"

Mit den Überlegungen stellt sich Gysi in der Sache gegen die Linie seiner Partei, die sich immer wieder gegen eine militärische Unterstützung der Kurden ausgesprochen hat. Erst Mitte der Woche hatte der Parteivorsitzende Bernd Riexinger mit einer Verfassungsklage gegen die Entsendung von bis zu 100 Bundeswehrausbildern in den Nordirak gedroht. Zuvor hatte Gysi grundsätzliches Verständnis für Waffenlieferungen an kurdische Kämpfer geäußert, was innerparteilich starke Kritik nach sich zog.