Die Präsidentenwahl in Kroatien entscheidet sich in einem überraschend knappen Kopf-an-Kopf-Rennen. Der amtierende Staatschef Ivo Josipović kommt nach der Auszählung von 70 Prozent aller Wahllokale auf 39,1 Prozent der Stimmen und hat damit nur einen kleinen Vorsprung vor der konservativen Oppositionskandidatin Kolinda Grabar-Kitarović. Sie erhielt 36,7 Prozent der Stimmen, wie der kroatische Fernsehsender Nova TV berichtete. Vor der Abstimmung hatten sämtliche Umfragen darauf hingedeutet, dass der sozialdemokratische Amtsinhaber klar siegen würde.

Der jüngste je angetretene Kandidat Ivan Sinčić (24) erzielte laut Nachwahlbefragungen mit 15,6 Prozent den zweiten Überraschungserfolg des Wahltags. Abgeschlagen landete der vierte Bewerber Milan Kujundžić auf dem letzten Platz. 

Weil niemand die verlangte absolute Mehrheit schaffte, wird es in zwei Wochen zu einer Stichwahl der beiden Bestplatzierten kommen. Entscheidend dürfte sein, für wen sich dann die Wähler der beiden unterlegenen Kandidaten entscheiden. Dabei werden Grabar-Kitarović die größeren Chancen eingeräumt. 

Die Wahlbeteiligung im jüngsten EU-Mitgliedstaat war nach Angaben der staatlichen Wahlkommission deutlich besser als noch vor fünf Jahren, als nur 44 Prozent der 3,8 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. 

Sollte Josipović die Wahl gewinnen, könnten die wegen der Wirtschaftskrise angeschlagenen Sozialdemokraten auch für die Parlamentswahl in einem Jahr Auftrieb erhalten. In den aktuellen Umfragen liegen sie allerdings klar hinter der größten Oppositionspartei HDZ, die Grabar-Kitarović ins Rennen geschickt hatte.