Bei den Kämpfen zwischen verfeindeten Milizen und Truppenverbänden in Libyen ist es nach Ansicht der Vereinten Nationen möglicherweise zu Kriegsverbrechen gekommen. Menschen seien gefoltert und hingerichtet worden. Zudem seien seit Sommer Hunderte Zivilisten getötet und viele aus ihren Orten vertrieben worden, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad Al-Hussein.

Er warnte die Kommandeure der bewaffneten Gruppen, dass sie unter dem Völkerrecht strafrechtlich verantwortlich seien, sollten sie schwere Menschenrechtsverletzungen verüben oder deren Anordnung zulassen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag befasse sich bereits mit der Lage in Libyen.

Ein Bericht des Hochkommissariats und der Unterstützungsmission der UN in Libyen stellt fest, dass allein seit Ende August Hunderte Zivilisten getötet worden sind. Mehrere Wohngegenden des nordafrikanischen Landes wahllos unter Beschuss genommen und dadurch mindestens 120.000 Menschen vertrieben worden seien. Der Bericht umfasst den Zeitraum von September bis Mitte Dezember und basiert auf Informationen von Journalisten und Angehörigen der Opfer. Die Zahl der Toten wurde in Krankenhäusern ermittelt.

Allein in der Region um die Hafenstadt Bengasi seien seit Oktober mehr als 450 Menschen gestorben. Dort seien sowohl Krankenhäuser beschossen worden als auch ein Rettungsfahrzeug des Roten Halbmondes für einen Selbstmordanschlag genutzt worden. Ein weiterer Schwerpunkt der Gefechte ist das Gebiet um Tripolis gewesen. Dort seien 100 Menschen gestorben und 500 verletzt worden. Weitere 170 Tote seien in den Nafusa-Bergen im Westen gezählt worden.

Nachdem der frühere Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 gestürzt und getötet wurde, bekämpfen sich mehrere Rebellengruppen untereinander. Dabei geht es auch um die Kontrolle der Öl-Industrie, der wichtigsten Einnahmequelle des Landes.