Die EU und die USA haben die Verurteilung des russischen Regierungsgegners Alexej Nawalny und seines Bruders kritisiert. "Der Schuldspruch scheint politisch motiviert", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Die Anschuldigungen seien während des Prozesses nicht belegt worden.

US-Außenamtssprecher Jeff Rathke sagte, der Richterspruch erscheine als ein weiteres Beispiel der zunehmenden Zerschlagung unabhängiger Stimmen durch die russische Regierung. Der Gerichtsentscheid sei besorgniserregend, ganz offenbar sollten politische Aktivisten bestraft werden. 

Bei einer nicht genehmigten Protestaktion gegen die Verurteilung nahmen Sicherheitskräfte in Moskau mehr als 240 Menschen fest. Die Polizei sprach von insgesamt 1.500 Demonstranten, Beobachter berichteten von wenigen Tausend. Angekündigt hatten sich mehr als 18.000. Bei minus 15 Grad Celsius skandierten die Teilnehmer "Russland ohne Putin" und "Freiheit für Nawalny". Nach gut zweieinhalb Stunden trieben die Polizeikräfte die Menge auseinander.

Nawalny von Polizei gestoppt

Auch der wegen einer früheren Strafe unter Hausarrest stehende Nawalny nahm am Dienstagabend an einer Oppositionskundgebung teil. "Hausarrest habe ich, aber heute will ich unbedingt bei euch sein, deswegen fahre ich", schrieb er auf Twitter. Noch vor seiner Ankunft bei den Demonstranten stoppte ihn die Polizei und brachte ihn zurück in seine Wohnung.

Ein Gericht in der Hauptstadt hatte den Kremlkritiker Nawalny am Dienstag wegen Unterschlagung zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Seinen Bruder Oleg schickte das Gericht für dreieinhalb Jahre ins Straflager.

Den Brüdern wird vorgeworfen, Geld unterschlagen und über ein Firmengeflecht legalisiert zu haben. Der Richterspruch fiel deutlich milder aus als von Beobachtern erwartet. Sowohl die Anwälte der Brüder als auch die Staatsanwaltschaft kündigten an, Berufung einzulegen. Die Behörden hatten die Urteilsverkündung überraschend vorgezogen. Die Anhänger Nawalnys vermuten dahinter den Versuch, einer für den 15. Januar geplanten Demonstration der Opposition zuvorzukommen.