Der Kremlkritiker Alexej Nawalny hat sich seinem Hausarrest widersetzt. Via Twitter hatte er ankündigt,  er sei auf dem Weg zu einer Demonstration seiner Anhänger. Doch noch vor seiner Ankunft am Ort der Kundgebung in Moskau nahm die Polizei den zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung Verurteilten fest, berichten russische und britische Medien. Nach Angaben des Fernsehsenders Doschd griffen Polizisten Nawalny in der Nähe des Maneschnaja-Platzes unweit des Kremls auf und beförderten ihn in einen Polizeibus. Er soll sich nun wieder in Hausarrest befinden.

Nawalny hatte ein Bild von sich in der Moskauer U-Bahn gepostet, darunter stand: "Hausarrest habe ich, aber heute will ich unbedingt bei euch sein, deswegen fahre ich." Seine Festnahme erfolgte nur kurze Zeit später.

Seine Anhänger riefen zu Protesten in der Moskauer Innenstadt auf. Mehrere Hundert Demonstranten trafen auf dem Manegenplatz in unmittelbarer Nähe des Kreml zusammen. Die russischen Behörden warnten, eine Kundgebung sei nicht genehmigt. Sie teilten mit, die Polizei werde hart durchgreifen und "jede nicht genehmigte Kundgebung" auflösen. Das tat sie dann zwei Stunden später auch. 

Menschenrechtler berichteten, es habe bis zum Abend mindestens 132 Festnahmen gegeben. Im Internet hatten sich zuvor mehr als 18.000 Menschen angekündigt. Die Demonstration fiel jedoch auch wegen des Wetters kleiner aus als erwartet. Minus 15 Grad Celcius wurden in der russischen Hauptstadt gemessen.  

Oppositionsanhängern hatten bereits am Morgen demonstriert, als ein Moskauer Gericht das Urteil gegen Nawalny verkündet hatte. Ihm und seinem Bruder Oleg wird vorgeworfen, Geld unterschlagen und über ein Firmengeflecht legalisiert zu haben. "Von allen möglichen Urteilssprüchen war dies heute der niederträchtigste", schrieb Nawalny auf Twitter.