Die russische Star-Sopranistin Anna Netrebko hat sich in St. Petersburg mit einem Separatistenführer aus der umkämpften Ostukraine fotografieren lassen. Gemeinsam mit Oleg Zarjow, der mit anderen militanten Aufständischen auf der Sanktionsliste der EU steht, präsentierte die Sängerin die Fahne von "Neurussland". Mit diesem Begriff bezeichnen die Separatisten in den Krisenregionen Donezk und Luhansk das von ihnen beanspruchte Gebiet.

Die Aufnahme entstand am Rande einer Pressekonferenz, auf der Netrebko Zarjow einen Scheck über eine Million Rubel (etwa 15.000 Euro) überreichte. Das Geld sei für das Opern- und Balletthaus in der umkämpften ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk gedacht, sagte sie. Ihre Kollegen dort würden wegen der Gefechte zwischen der Armee und Aufständischen "im Bombenhagel" zur Probe gehen.

Eine politische Bewertung der Ukraine-Krise lehnte Netrebko offiziell jedoch ab: Nach ihrer Meinung zum Konflikt gefragt, entgegnete sie: "Das ist Politik, und ich habe nichts mit Politik zu tun." Sie wolle lediglich etwas tun, um die Kunst zu unterstützen. Zarjow versprach, Netrebkos Spende zu überbringen.  

Bei ukrainischen Medien sorgten die Spende und das Zeigen der "Separatistenfahne" für Empörung. "Die Diva hat kein Wort über die Tatsache verloren, dass das Leiden der Musiker und der Oper von Donezk das Ergebnis der Aktionen der Aufständischen ist", kommentierte das Internetportal Obozrevatel.com aus Kiew. Der Westen wirft Russland vor, die Gruppen auszurüsten – was Moskau dementiert. Bei den Kämpfen in der Ukraine starben nach UN-Schätzungen seit April mindestens 4.300 Menschen.

Bereits zuvor hatte Netrebko Kremlchef Wladimir Putin mehrfach öffentlich unterstützt. Unter anderem gehörte sie zu rund 500 russischen Künstlern, Wissenschaftlern und Sportlern, die sich vor der Präsidentenwahl 2012 für Putins Rückkehr in den Kreml ausgesprochen hatten. Auch bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Sotchi trat die Opernsängerin auf.