Das Euro-Krisenland Griechenland steht vor Neuwahlen. Der frühere EU-Kommissar Stavros Dimas verfehlte als Präsidentschaftskandidat im Athener Parlament auch im dritten Anlauf die erforderliche Mehrheit von 180 Stimmen. Noch bevor das Votum zu Ende war, hatten sich bei der namentlichen Abstimmung mehr als 121 der insgesamt 300 Abgeordneten der Stimme enthalten. Damit muss laut Verfassung das Parlament binnen zehn Tagen aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen werden, die in den kommenden Wochen stattfinden sollen.

Umfragen sagen dem Land einen Linksruck voraus, was die EU-Rettungsaktion für das überschuldete Krisenland erschweren könnte. Die linke Oppositionspartei Syriza lehnt die Kreditbedingungen der internationalen Geldgeber ab und will sie neu verhandeln. Die von den Gläubigern geforderte Sparpolitik hat zu tiefen Einschnitten bei Löhnen und Sozialleistungen geführt.

Das Wahlergebnis ist ein schwerer politischer Schlag für Griechenlands Premier Antonis Samaras. Seine Koalitionsregierung hatte über die Weihnachtstage mit Hochdruck daran gearbeitet, die Stimmen von unabhängigen Abgeordneten für die Wahl von Dimas zu gewinnen. "Wer jetzt nicht für den Präsidenten stimmt, ist mitverantwortlich für Wahlen, die im Volk niemand will", hatte Samaras in einem Fernsehinterview am Samstag gesagt. Von vorrangiger Bedeutung sei es, Parlamentsneuwahlen abzuwenden, um einen schnellen Abschluss der Verhandlungen mit den Kreditgebern Griechenlands zu ermöglichen.

Der konservative ehemalige EU-Kommissar Dimas war einziger Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten. Das Mandat des amtierenden Staatsoberhauptes Karolos Papoulias läuft Anfang März aus. Der Posten ist rein repräsentativer Art.

Zwei Versuche, einen neuen Präsidenten zu wählen, waren bereits vor wenigen Tagen gescheitert. Im ersten Wahlgang am 17. Dezember hatte der 73-Jährige 160 Stimmen erhalten, im zweiten Wahlgang am 23. Dezember waren es 168 Stimmen. Benötigt hätte er in diesen beiden Runden jeweils 200 Stimmen der insgesamt 300 Abgeordneten.