Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny ist in einem umstrittenen Prozess wegen Unterschlagung schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Moskau verurteilte Nawalny zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung.

Die Urteilsverkündung war überraschend um zwei Wochen vorverlegt worden. Nawalnys Umfeld vermutet, dass die Behörden damit eine geplante Demonstration am ursprünglichen Termin Mitte Januar ausbremsen wollten. Für Dienstagabend wurde jedoch bereits zu einer neuen Demonstration in Moskau aufgerufen. 

Während Alexej Nawalny mit einer Bewährungsstrafe davonkommt, muss sein Bruder Oleg für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Er wurde in Handschellen aus dem Gerichtssaal abgeführt. Sein Bruder verurteilte dies lautstark als Versuch, "Druck" auf ihn auszuüben. Das sei eine "Schweinerei", sagte Alexej Nawalny.

Nawalny, der bereits 2013 wegen Veruntreuung zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war, soll laut Anklage gemeinsam mit seinem Bruder Oleg bei einer Firma Geld veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Lagerhaft gefordert. Nawalnys Anwälte kritisieren den Prozess als politisch motiviert. Seit 2013 steht Nawalny wegen Verstößen gegen Bewährungsauflagen unter Hausarrest.

Schon vor dem Urteilsspruch wurden zwei Personen festgenommen, wie die Agentur Interfax meldet. Der eine Mann habe ein Nawalny-kritisches Plakat getragen, der andere habe Losungen zur Unterstützung des Oppositionspolitikers gerufen. Die Polizei riegelte eine Straße vor dem Gerichtsgebäude ab. Zahlreiche Beamte waren im Einsatz.