Die Polizei in Sydney hat den Tod des Geiselnehmers bestätigt. Auch zwei Geiseln seien ums Leben gekommen, sagte Polizeichef Andrew P. Scipione auf einer Pressekonferenz. Insgesamt habe es 17 Gefangene gegeben, sechs seien verletzt. Ein Polizist sei angeschossen worden. 

Australiens Regierungschef Tony Abbott sagte am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit), dass die Aufarbeitung der Tat einige Zeit dauern werde. "Wir werden daraus einige Lektionen lernen, aber noch wissen wir nicht genau, welche Lektionen", sagte Abbott. Die Geiselnahme bezeichnete er als ein "schreckliches Ereignis" das zeigt, dass auch ein freies Land wie Australien jederzeit Ziel politisch motivierter Gewalt werden könne.

Die Spezialeinheiten hatten das Café in der Innenstadt von Sydney am Montagmorgen (Ortszeit) gestürmt, nachdem darin Schüsse zu hören waren. Eine Bombe sei in dem Gebäude nicht gefunden worden, so Scipione. Sechs Geiseln war kurz vor der Erstürmung die Flucht aus dem Gebäude gelungen.   

Bereits vor der Erstürmung hatte die australische Polizei den Geiselnehmer identifiziert. Es handelt sich demnach um einen 50 Jahre alten Mann aus dem Iran, der in Australien Asylstatus hat. Verschiedene Medien berichten, er sei ein selbsternannter Kleriker und Heiler, der bereits mehrfach bei Protest-Aktionen gefilmt wurde.  

Geiselnehmer als Islamist aus dem Iran identifiziert

Nach Angaben des Sydney Morning Herald soll es mehrere juristische Verfahren gegen den Mann geben. Unter anderem wegen sexueller Übergriffe und auch in Zusammenhang mit dem Tod seiner Frau. Derzeit sei er gegen Kaution auf freiem Fuß. Der Mann soll auch deshalb aufgefallen sein, weil er Hassbriefe an die Angehörigen gefallener australischer Soldaten geschrieben hatte. Erst am vergangenen Freitag soll er wegen sexueller Übergriffe in 22 Fällen und schwerer Körperverletzung in 14 Fällen angeklagt worden sein.  

Anwalt Manny Conditsis, der den Mann im vergangenen Jahr verteidigte, sagte: "Eins ist damit klar: Dies ist ein Einzeltäter." Im Fernsehen spekulierte der Anwalt: "Er hat wahrscheinlich das Gefühl, dass er nichts zu verlieren hat." Fernsehsender filmten den Geiselnehmer am Morgen durch ein Fenster des Cafés. Auf den Videobildern war ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Stirnband oder Kopftuch zu sehen, auf dem arabische Schriftzeichen standen. Der Mann trug auch einen schwarzen Rucksack.

Ein Reporter des Fernsehsenders Channel Seven, der von der Redaktion in das Café sehen konnte, berichtete den ganzen Tag auf Twitter von den Geschehnissen.

Der Geiselnehmer hatte seine Gefangenen tagsüber gezwungen, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis hinter die Fensterscheibe des Cafés zu halten: "Es gibt keinen Gott außer Gott. Mohammed ist sein Gesandter." Das hatte Spekulationen über einen möglichen Terrorakt geschürt.