Während Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das letzte deutsche Feldlager im Norden des Landes besucht, nimmt die Gewalt in Afghanistan wieder zu. Die Taliban haben ihre Angriffe verstärkt, auch an diesem Wochenende schlugen sie zu. Weniger als drei Wochen vor dem Ende des Kampfeinsatzes der Internationalen Schutztruppe Isaf wurden bei einer Serie von Anschlägen mindestens 15 Menschen getötet. Am Samstag starben nach Polizeiangaben ein hochrangiger Mitarbeiter des Obersten Gerichts und mindestens zwölf Mitarbeiter eines Minenräumdienstes. In der vorangegangenen Nacht hatten die Extremisten einen ausländischen Militärkonvoi unter Beschuss genommen und zwei Soldaten getötet. 

In der südlichen Provinz Helmand griffen Aufständische den privaten Minenräumdienst Star Link an und töteten mindestens zwölf seiner Mitarbeiter. Zwölf weitere Arbeiter seien bei dem Überfall an der Grenze zwischen den Bezirken Nadali und Waschir verletzt worden, teilte die Polizei mit. Danach hätten afghanische Soldaten Aufständische in ein Feuergefecht verwickelt.

Nach zwei Invasionen und mehr als 35 Jahren Krieg und Bürgerkrieg gilt Afghanistan als eines der am dichtesten verminten Länder der Welt. Die Taliban und andere Aufständische nehmen oft Unternehmen ins Visier, die die tückischen Sprengkörper beseitigen.

Am Morgen erschossen zwei Männer den Leiter des Sekretariats des Obersten Gerichts, Atikullah Raufi. Als er vor seinem Haus in Kabul in sein Auto habe steigen wollen, sei er von zwei Männern von einem Motorrad aus erschossen, sagte ein Kollege Raufis, der aus Angst vor Vergeltung seinen Namen nicht nennen wollte. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.

Am US-Luftwaffenstützpunkt Bagram griffen Militante in der Nacht eine Kolonne aus Militärfahrzeugen an. Dabei seien zwei US-Soldaten getötet worden, teilte ein Isaf-Sprecher mit. Die Nato bestätigte den Angriff, machte aber wie üblich keine Angaben zur Nationalität der Getöteten. Es war der erste tödliche Anschlag auf ausländische Soldaten im Dezember. Damit wurden in diesem Jahr bereits 65 Isaf-Angehörige getötet, unter ihnen 50 US-Soldaten. 

Der Isaf-Einsatz endet am 31. Dezember, doch sollen zunächst noch rund 13.000 ausländische Soldaten im Land bleiben, darunter bis zu 850 Deutsche. Sie sollen die afghanischen Sicherheitskräfte in erster Linie ausbilden.