Awakow, Biletsky und Trojan kommen alle drei aus der Region Charkiw und kennen sich seit mindestens 2009/2010. Damals war Awakow Gouverneur der Region Charkiw. In dieser Zeit war die PU in Charkiw in Angriffe auf vietnamesische Händler und Überfälle auf Unternehmen verwickelt. Im Jahr 2010 besetzten PU-Anhänger in Charkiw rund 50 Zeitungskioske, die anschließend in den Besitz eines Unternehmens von Andrij Liphansky übergingen. Liphansky war ein Geschäftspartner Awakows und leitete zu dessen Gouverneurszeit auch das Medien- und Informationsbüro der Region Charkiw. Aus Medienberichten geht außerdem hervor, dass Liphansky damals eine Sporthalle gemietet hatte, um dort PU-Anhänger zu trainieren. 

PU-Anhänger sorgten ihrerseits für die Sicherheit von Protestaktionen gegen die Regierung in Kiew, die vom Block Julija Timoschenko in Charkiw organisiert wurden. Awakow war damals Regionalvorsitzender des Timoschenko-Blocks.

Nachdem Awakow seines Gouverneurspostens enthoben worden war, kandidierte er für das Bürgermeisteramt in Charkiw. Dabei unterstützte ihn ein Anführer der Fußballhooligans, der der PU nahestand.

Fortdauernde Loyalität

Wenn heute PU-Anführer eine Rolle in der ukrainischen Polizei spielen, dann scheint das darauf zurückzuführen zu sein, dass Awakow einer Organisation vertraut, mit der er in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Er zählt offenbar auf die persönliche Loyalität des von der PU dominierten Asow-Bataillons und betrachtet es als eine Art Privatarmee für seine geschäftlichen oder politischen Ziele.

Diese problematische Beziehung zwischen dem Innenministerium und den Neonazis untergräbt die Glaubwürdigkeit der neuen ukrainischen Regierung, sowohl international als auch in der Ukraine.

Sehr wahrscheinlich war es ebenfalls Awakow, der dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko vorgeschlagen hat, dem belarussischen Asow-Kämpfer Serhej Korotkich die ukrainische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Korotkich war seit Ende der neunziger Jahre Teil von Neonazi-Bewegungen in Belarus und Russland. Dass Awakow diese Vergangenheit des ukrainischen Neubürgers gegenüber Poroschenko erwähnt hat, ist eher unwahrscheinlich.

Keine Verfolgung von "hate crimes" in Kiew

Seit Awakow das Innenministerium leitet, hat die Polizei in Kiew eine Reihe von sogenannten hate crimes, also Verbrechen aus Hass gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, nicht aufklären können oder wollen. Rechtsextreme Schläger – ob sie einen Bezug zur PU haben, lässt sich nicht sagen –  griffen im Juli 2014 vier Schwarze in der Kiewer U-Bahn an, überfielen einen Schwulenclub und einen jüdischen Studenten in der Nähe einer Synagoge. In zwei dieser Fälle hat die Polizei Strafverfahren angestoßen, bislang wurde aber niemand strafrechtlich verfolgt. Offenbar ebenfalls von rechtsextremen Aktivisten wurde im September 2014 der Chef des Zentrums für visuelle Kultur, Wasyl Tscherepanyn, zusammengeschlagen. Auch in diesem Fall gibt es keinerlei strafrechtliche Verfolgung.

Unter Trojan als Chef der Kiewer Polizei wird die Verfolgung von hate crimes kaum effizienter werden. Und die hartnäckige Tradition der Vetternwirtschaft ist dem Aufbau einer starken Demokratie nicht zuträglich.

Anton Shekhovtsov ist ukrainischer Politologe und forscht über rechtsextreme Bewegungen in Europa. Derzeit ist er Visiting Research Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien.

Aus dem Englischen von Meike Dülffer