Die Ukraine gibt ihren blockfreien Status auf. Mit deutlicher Mehrheit stimmte das Parlament in Kiew für das Ende der Neutralität. Damit hat die Werchowna Rada eine erste Hürde für den geplanten Nato-Beitritt beseitigt. Für die Aufhebung stimmten 303 von 369 Abgeordneten, nur acht Parlamentarier votierten dagegen.

"Dies wird zur Integration in den europäischen und euro-atlantischen Raum führen", sagte Außenminister Pawlo Klimkin vor der Abstimmung. Russlands Premier Dmitri Medwedew hatte auf Facebook vor der Abstimmung gewarnt, dass die Ukraine damit um Aufnahme in die Nato bitte, wodurch die Ukraine und Russland potenzielle Gegner würden. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte der Nachrichtenagentur Tass: "Das wird nur zur Eskalation der Konfrontation beitragen und die Illusion nähren, dass die schwere interne Krise durch solche Gesetze gelöst werden kann."

Russlands Vertreter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Andrej Kelin, nannte den Beschluss einen "unfreundlichen Schritt", der die Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter belasten werde. Allerdings sieht Kelin die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Nato-Beitritt noch nicht gegeben. "Dort gibt es außerdem einen inneren Konflikt", sagte er mit Blick auf das Bürgerkriegsgebiet Ostukraine. "Das Gesetz bringt außer viel Lärm nichts", fügte der Diplomat hinzu.

Die Tür zur Nato stehe der Ukraine offen, sagte ein Nato-Sprecher in Brüssel. "Die Ukraine wird ein Nato-Mitglied, wenn sie dies beantragt, die Standards erfüllt und die nötigen Prinzipien befolgt."

Präsident Petro Poroschenko sagte, die Entscheidung sei Folge der russischen Aggression gegen die Ukraine und der "ungesetzlichen Annexion der Autonomen Republik Krim." Auf einer Pressekonferenz betonte Poroschenko, dass ein Beitritt zur Nato nur erfolgen kann, wenn sich das Volk in einem Referendum dafür aussprechen sollte.

Bisher war der Status der Blockfreiheit in den Grundlagen der Innen- und Außenpolitik des Landes verankert. Diese Linie sei allerdings nicht "effektiv" für die Sicherheit des Landes, heißt es in einer Erklärung zum Gesetz.