Während einer polizeilichen Routinekontrolle soll ein schwarzer Jugendlicher in der Nacht im US-Bundesstaat Missouri eine Waffe gezogen haben. Ein Polizist erschoss den jungen Mann daraufhin. "Um sein Leben fürchtend hat der Polizist mehrere Schüsse abgegeben, die Person getroffen und tödlich verletzt", sagte der Polizeichef von St. Louis, Jon Belmar. Der Polizist sei nach hinten gestolpert, habe drei Schüsse abgegeben. Einer habe das Opfer getroffen. Ein zweiter Mann sei geflohen. Nach ihm werde gefahndet.

Der Tatort ist eine Tankstelle in der US-Kleinstadt Berkeley. Der 34-jährige Beamte war in der Nacht zu Mittwoch gegen 23:15 Uhr Ortszeit zur Tankstelle gerufen worden. Ein Anrufer hatte einen Raubüberfall gemeldet. Als der Polizist eintraf, rief er zwei Männer zu sich, die auf dem Gelände standen. Einer von beiden soll dann kurz Zeit später eine Waffe gezückt haben. Der Polizist feuerte daraufhin dreimal.

Der Beamte trug zudem keine Kamera am Körper, die vorgeschrieben sei, um Einsätze zu dokumentieren. Auch Kollegen, die später am Tatort eintrafen, haben ihre Kameras wohl nicht bei sich gehabt, teilte die Polizei mit.

Die Mutter des Toten beschuldigte die Polizei, ihren Sohn auf der Flucht erschossen zu haben. Sie habe den Toten identifiziert, berichtet die St. Louis Post-Dispatch. Die Polizei wollte den Namen des 18-jährigen Opfers nicht nennen, erklärte aber, er sei mehrfach vorbestraft.

Der Polizist, der ihn erschossen hat, wurde bis zum Abschluss einer Untersuchung beurlaubt. Die Polizei veröffentlichte zudem die Aufnahmen einer Überwachungskamera vor der Tankstelle. Darauf ist zu sehen, wie zwei junge Männer herauskommen, als ein Polizeiwagen dort stehen bleibt. Der Polizist steigt aus und redet mit den beiden. Rund eineinhalb Minuten später hebt einer der Befragten offenbar seinen Arm. Was er in der Hand hält, ist allerdings schwer zu sehen. Nach Angaben des Polizeichefs Belmars war es eine 9mm-Handfeuerwaffe.

Am Morgen nach der Tat gab es in Berkeley Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten, berichtete der Sender NBC. Rund 200 Menschen versammelten sich spontan, es kam zu Handgreiflichkeiten. Einige Müllbehälter brannten, ein Geschäft wurde verwüstet. In den frühen Morgenstunden hatte sich der Protest laut Augenzeugen weitestgehend aufgelöst.

Der Tatort Berkeley liegt nur wenige Kilometer von der Kleinstadt Ferguson entfernt. Dort hatte die Polizei im August den unbewaffneten, schwarzen Jugendlichen Michael Brown getötet. Nachdem eine Geschworenenjury Ende November entschieden hatte, dass sich der weiße Polizist Darren Wilson wegen der Schüsse auf Brown vorerst nicht vor Gericht verantworten muss, kam es dort zu Protesten und Ausschreitungen.

"Wir sind anders als Ferguson", sagte der Bürgermeister von Berkeley, Theodore Hoskins, während einer Pressekonferenz am Mittwoch. Im Gegensatz zu Ferguson seien viele Polizisten und Beamte der Stadt Afroamerikaner. Der Polizist habe durch seine Schüsse vermutlich sein Leben gerettet. Es gebe aber neben den Ermittlungen der Polizei auch eine unabhängige Untersuchung der Stadt.

Auch an mehreren anderen Orten in den USA wurde in den vergangenen Wochen gegen Polizeigewalt und institutionellen Rassismus protestiert. Laut New York Daily News waren einige Hundert Demonstranten auf den Straßen, obwohl Bürgermeister Bill de Blasio um eine Pause gebeten hatte. Erst sollten zwei am Wochenende erschossene Polizisten beerdigt sein, hatte de Blasio erklärt. Die Demonstrationen seien friedlich verlaufen, hieß es.

Einer der Auslöser für die Proteste war die Entscheidung eines Geschworenengremiums Anfang Dezember in New York, einen weißen Polizisten für den Tod des schwarzen Eric Garner in New York nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Der Polizist hatte Garner bei der Festnahme wegen angeblich illegalen Zigarettenhandels in den Würgegriff genommen. Dessen Hilferufe, er bekomme keine Luft mehr, ignorierte er. Der asthmakranke Schwarze, ein sechsfacher Familienvater, starb wenig später.