Uruguays Ex-Präsident Tabaré Vázquez steht vor einer weiteren Amtszeit als Staatsoberhaupt. Nach der Stichwahl um die Präsidentschaft in dem südamerikanischen Land am Sonntag lag der linksgerichtete Favorit in drei unterschiedlichen Wählerbefragungen der führenden uruguayischen Fernsehsender mehr als zehn Prozentpunkte vor dem Mitte-Rechts-Kandidaten Luis Alberto Lacalle Pou. Amtsinhaber José Mujica, der wie Vázquez zu der sogenannten Breiten-Front-Koalition gehört, durfte nicht wieder antreten.

Zwei der Umfragen sahen Vázquez mit 54 zu 41 Prozent im Vorsprung, eine dritte mit 52 zu 42 Prozent. Obwohl offizielle Ergebnisse am Sonntagabend noch ausstanden, räumte Herausforderer Lacalle Pou seine Niederlage ein. "Ich wünsche ihm großen Erfolg", sagte der 41 Jahre alte Anwalt und Spitzenkandidat der Nationalen Partei noch am Wahlabend.

Vázquez rief die Opposition am Sonntagabend auf, mit ihm im Bereich der öffentlichen Sicherheit, Gesundheit und Bildung zusammenzuarbeiten. "Ich möchte in der Lage sein, auf alle Uruguayer zählen zu können, aber nicht in der Weise, dass sie mir folgen, sondern dass sie mich führen, mich begleiten", sagte der 74-Jährige in seiner Siegesrede.

Vázquez ist Onkologe und war bereits in seiner ersten Amtszeit von 2005 bis 2010 sehr populär. Trotz der Ankündigung, die Politik des Landes auf den Kopf stellen zu wollen, regierte er überaus behutsam und moderat. Damit wollte er vor allem einer Polarisierung vorbeugen, wie sie etwa in Venezuela zu sehen war. Bei der Wahl vor fünf Jahren half Vázquez' Popularität seinem Parteifreund Mujica. Dieser verzeichnet inzwischen selbst Zustimmungsraten von 70 Prozent, wovon wiederum Vázquez profitierte.

Im Wahlkampf kündigte Vázquez an, den weltweit ersten staatlichen Markt für Marihuana erschaffen zu wollen. Seine Koalition hatte zuletzt die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im Oktober hatte Vázquez eine absolute Mehrheit nur knapp verpasst. Damals lag er mit 48 Prozent vor Lacalle Pou, der 31 Prozent der Stimmen erreichte.