Der 2006 gestorbene frühere Sowjet-Spion Alexander Litwinenko hat kurz vor seinem Tod den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine tödliche Vergiftung verantwortlich gemacht. In einer öffentlichen Anhörung in London wurde aus einem Vernehmungsprotokoll aus dem Krankenhaus zitiert. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass die russischen Geheimdienste verantwortlich sind", sagte Litwinenko laut Protokoll. "Die Anordnung dazu kann nur eine Person geben – der Präsident der russischen Föderation, Wladimir Putin."

Mehr als acht Jahre nach dem ungeklärten Tod des früheren Sowjet-Spions wird der mutmaßliche Mord in London vor Gericht untersucht. Litwinenko war mit Polonium 210 vergiftet worden und am 23. November 2006 gestorben. 

Der frühere Agent hatte sich mit der russischen Regierung überworfen und später für den britischen Geheimdienst MI6 gearbeitet. Bislang war bekannt gewesen, dass er beim Teetrinken in einem Hotel mit der hochgiftigen radioaktiven Substanz vergiftet worden war.

Bei der Anhörung in London war nun von einer zweiten Vergiftung die Rede: Litwinenko soll bereits am 16. Oktober bei einem Treffen mit dem russischen Abgeordneten Andrej Lugowoi und dem Geschäftsmann Dmitri Kowtun in der Londoner Innenstadt Polonium verabreicht worden sein. Eine weitere tödliche Dosis habe er demnach erst am 1. November in dem Londoner Hotel eingenommen. Auch an diesem Tag hatte er Lugowoi und Kowtun getroffen.

Großbritannien beschuldigt zwei Russen

Die britischen Ermittler halten Lugowoi, der noch heute als Abgeordneter im russischen Parlament sitzt, und Kowtun für die Hauptverdächtigen. Beide haben die Vorwürfe zurückgewiesen und sich geweigert, an einer gerichtlichen Untersuchung teilzunehmen. Eine Auslieferung der Männer nach Großbritannien lehnt die russische Regierung ab.   

Marina Litwinenko, die Witwe des Doppelagenten, wirft der britischen Regierung vor, sich mit Russland abgesprochen zu haben, um eine Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen zu erreichen. Vergangenen Sommer konnte sie die richterliche Untersuchung gegen den Willen der britischen Regierung durchsetzen.

Die Untersuchung in London findet vor einem Richter, aber ohne Angeklagte statt. Der Vorsitzende, Richter Robert Owen, erwartet einen Abschlussbericht über die mindestens zehn Wochen dauernde Untersuchung – von der Teile hinter verschlossenen Türen stattfinden werden – noch in diesem Jahr.