Die US-Behörden haben offenbar einen mutmaßlichen russischen Spionagering gesprengt. Drei Verdächtige sollen auf Geheiß Moskaus sensible Wirtschaftsinformationen über mögliche Sanktionen gegen russische Banken und Bemühungen um die Schaffung alternativer Energiequellen gesammelt haben, hieß es in der bei einem Bundesgericht eingereichten Klageschrift.

Zudem sollen sie versucht haben, US-Bürger als Informanten anzuwerben. Publik gemacht wurde der Fall am Montag von Justizminister Eric Holder, Bundesstaatsanwalt Preet Bharara und FBI-Beamten.

Einer der Verdächtigen soll bei einer russischen Bank in Manhattan angestellt gewesen sein. Er wurde am Montag in der Bronx festgenommen, wo er zuletzt mit seiner russischen Frau und zwei Kindern lebte.

Bei einer ersten Gerichtsanhörung zeichnete Staatsanwalt Adam Fee das Bild eines professionellen Spions, der im Doppelspiel geübt sei. "Sein Leben hier, Euer Ehren, war eine einzige Täuschung", sagte Fee. Der 39-jährige Verdächtige war 2010 mit einem Arbeitsvisum in die USA gezogen. Seine Anwältin Sabrina Shroff scheiterte bei dem Versuch, noch eine Kautionsregelung für ihren Mandanten zu erwirken. Der Richter folgte dem Argument der Regierung, wonach Fluchtgefahr bestehe.

Zwei Verdächtige nach Russland zurückgekehrt

Zwei weitere Verdächtigen sollen als Agentenführer identifiziert worden sein. Sie sollen den Angaben zufolge diplomatische Posten auf niedriger Ebene innegehabt haben. Aufgrund ihrer Stellung genießen sie Immunität. Vermutlich seien sie nach Russland zurückgekehrt.

Zwischen März 2012 und Mitte September 2014 wurden die Verdächtigen beschattet. Bei etlichen der Treffen hätten sie beispielsweise eine Tasche, ein Magazin oder ein Stück Papier mit darin versteckten Botschaften ausgetauscht. Zudem hätten sie am Telefon oft verschlüsselt miteinander gesprochen. Auf den jetzt Festgenommenen setzten die Behörden später einen verdeckten Ermittler an. Der FBI-Mitarbeiter gab sich als Vertreter eines reichen US-Investoren aus, der in Russland den Bau von Casinos plane.

Oft hätten sie über ihre Versuche gesprochen, US-Bürger anzuwerben, darunter etliche bei Konzernen tätige Einzelpersonen, hieß es weiter. Im Visier hätten die mutmaßlichen Spione als mögliche Rekruten auch junge Frauen mit Verbindungen zu einer nicht näher genannten Universität in New York gehabt.

Bundesstaatsanwalt Bharara sagte, der Fall "macht deutlich, dass russische Spione mehr als zwei Jahrzehnte nach dem mutmaßlichen Ende des Kalten Krieges noch immer in unserer Mitte operieren".