Bundespräsident Joachim Gauck hat den von islamkritischen Pegida-Demonstranten benutzten Begriff der "Lügenpresse" scharf zurückgewiesen. Das Wort sei "geschichtsvergessener Unsinn", sagte Gauck. Er erinnerte daran, dass "Lügenpresse" ein Kampfbegriff der Nazis war. "Wer den Medien hierzulande unterstellt, sie verbreiteten systematisch Lügen, der sollte sich daran erinnern, wie es früher in Deutschland zuging."

Eine gleichgeschaltete Presse im Nationalsozialismus habe ungeniert gelogen und manipuliert, sagte der Bundespräsident. Auch die Medien der DDR hätten das SED-Regime stabilisiert, indem sie systematisch Unwahrheiten verbreiteten. Dagegen könnten die Medien in Deutschland heute frei arbeiten. "Trotz mancher Irrtümer, die auch Journalisten manchmal unterlaufen, trotz gelegentlicher Unwahrheiten, die einige wenige von ihnen in die Welt setzen, wird doch meistens korrekt und ausgewogen berichtet", sagte Gauck.

Auf den Pegida-Veranstaltungen wurden Medienvertreter wiederholt als Lügenpresse bezeichnet. Bei der jüngsten Demonstration des Leipziger Pegida-Ablegers Legida kam es sogar zu Gewalt gegenüber Journalisten. Hintergrund der Anfeindungen dürfte die kritische Berichterstattung vieler Medien über die Anti-Islam-Bewegung sein.

Das Wort "Lügenpresse" wurde vergangene Woche zum Unwort des Jahres 2014 gewählt.