Die ehemalige Außenministerin Kolinda Grabar-Kitarović ist zur neuen Präsidentin Kroatiens gewählt worden. Die konservative Politikerin setzte sich in einer Stichwahl gegen den amtierenden Präsidenten Ivo Josipović durch. Im ersten Wahlgang hatte der Sozialdemokrat noch einen Prozentpunkt vor der konservativen Kandidatin gelegen und zeigte sich vor der Abgabe seiner Stimme am Sonntag siegesgewiss.

Nach Auszählung von fast 90 Prozent der Wahllokale erreichte allerdings Grabar-Kitarović 50,7 Prozent der Stimmen, teilte die Wahlkommission in Zagreb mit. Ihr Gegner Josipović kam auf 49,3 Prozent. Grabar-Kitarović ist das erste weibliche Staatsoberhaupt Kroatiens.


Knapp 3,8 Millionen Kroaten waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Beim ersten Wahlgang am 28. Dezember konnte kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit von mehr als der Hälfte der Stimmen erringen. Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl weckte offenbar mehr Interesse: Drei Stunden vor Schließung der Wahllokale lag die Beteiligung bei mehr als 48 Prozent und damit um elf Prozent höher.

Rückschlag für Regierungsbündnis

Die Abstimmung wurde auch als großer Test für die umstrittene Mitte-Links-Regierung angesehen, die Amtsinhaber Josipović unterstützt und die sich auf die Parlamentswahl in diesem Jahr vorbereitet. Durch den Sieg Grabar-Kitarovićs räumen Beobachter deren konservativer Partei bessere Chancen für die Wahl ein. 

Die 46 Jahre alte Grabar-Kitarović ist eine ehemalige Außenministerin und Ex-Assistentin des Nato-Generalsekretärs. Sie ist gegen die von Josipović vorgeschlagenen Verfassungsänderungen und wirft ihm vor, nichts gegen den wirtschaftlichen Abschwung des Landes zu unternehmen. Sie gehört der konservativen Demokratischen Union an, die in dem Land nach der Unabhängigkeit 1991 die Regierung gestellt hatte. Mit ihrem Sieg werden der Partei nun beste Chancen bei den Parlamentswahlen eingeräumt.

Der Sieg der früheren Außenministerin sei auf die tiefe Enttäuschung der Bürger über die miserable Wirtschaftslage des Adrialandes zurückzuführen, hieß es in ersten Kommentaren. Die Ernüchterung sei umso größer, als sich fast alle eine rasante Besserung der sozialen Lage durch den EU-Beitritt vor eineinhalb Jahren erhofft hätten.

Kroatien ist das jüngste EU-Mitglied, das Land trat am 1. Juli 2013 bei. Die Arbeitslosenquote liegt bei fast 20 Prozent, das Land steckt seit sechs Jahren in der Rezession.