Zwei Tage nach seinem Wahlsieg hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras sein Kabinett ernannt. Die Zuständigkeit für Finanzen gab er den Ökonomen Giannis Dragasakis (66) und Yanis Varoufakis (53). Beide gelten als scharfe Kritiker der Sparpolitik und sehen einen Schuldenschnitt als einzige Lösung für den Abbau des 320 Milliarden Euro großen Schuldenbergs Griechenlands.

Varoufakis wird als Finanzminister künftig die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern führen, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Dragasakis wird als stellvertretender Regierungschef die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft haben und ebenfalls an den Verhandlungen mit den Geldgebern teilnehmen.

Tsipras' linksgerichtete Syriza bildet eine Regierungskoalition mit der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (Anel). Deren Chef Panos Kammenos, der im vorherigen Parlament im Verteidigungsausschuss saß, wird nun neuer Verteidigungsminister. Auch Kammenos hatte im Wahlkampf ein Ende der Sparpolitik zum beherrschenden Thema gemacht.

Außenminister wird ein Technokrat, der Politikprofessor der Universität Piräus, Nikos Kotzias. Damit wolle Regierungschef Tsipras signalisieren, dass er eine ruhige Linie in außenpolitischen Themen fahren wolle, hieß es in Athen.

Tsipras reduzierte die Zahl der Ministerien auf zehn. Damit erfüllt er ein Wahlversprechen, ein kompaktes Regierungsteam zu bilden. Unter dem am Sonntag abgewählten konservativen Regierungschef Antonis Samaras gab es 20 Ministerien.

Die erste Sitzung des neuen Ministerrates wurde für Mittwoch angesetzt. Dabei gibt der Regierungschef in Griechenland traditionell die ersten Anweisungen an seine Minister und erklärt, in welche Richtung das Land künftig steuern soll.

Varoufakis verhandelt mit Troika

Auf den 53-jährigen Varoufakis kommen die schwierigen Verhandlungen mit den Geldgebern – die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds – zu. Ein Schuldenerlass sowie eine Abmilderung der Sparauflagen gehören zu den wichtigsten Zielen von Tsipras' Regierung.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz will aus erster Hand erfahren, was Tsipras genau plant und reist daher am Donnerstag nach Athen. Einen Tag später wird dort auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erwartet, um erste Gespräche zu führen. Die Eurofinanzminister haben bislang keine Bereitschaft zu einem Schuldenerlass erkennen lassen. Berlin signalisierte aber Offenheit für weitere Unterstützung nach dem im Februar auslaufenden Rettungsprogramm.