Noch mehr Wohltaten verspricht Tsipras, auch Beamten und Rentnern. Aber er lässt im Vagen, wie er das bezahlen will. Der 71-jährige Dimitrios Bekolas steht mit blauem Schlips, hellblauem Hemd und erwartungsvollem Gesicht in der Menge. Ein Staatsdiener war er in der Athener Stadtverwaltung, sein Leben lang. "Was ist mir geblieben? 800 Euro im Monat für mich und meine Frau." Ein Drittel seiner Rente wurde gestrichen. "Wir dachten, wir können in Würde altern. Jetzt haben wir Mühe, zu überleben." Die Miete in der Stadt frisst einen großen Teil seines Einkommens. Medikamente könne er sich kaum mehr leisten, klagt er, auch weil Leistungen in der Gesundheitsversorgung gekürzt wurden.

Bekolas hat sich noch nicht entschieden, ob er Tsipras am Sonntag seine Stimme gibt. Jahrzehnte lang gehörte er einem System an, das sich zwei Parteien untereinander aufgeteilt hatten: die konservative Nea Dimokratia des jetzigen Ministerpräsidenten Antonis Samaras und die Pasok. Der Staatsdiener im Ruhestand sagt: "Um mich geht es hier nicht mehr. Wenn ich es tue, dann für unsere Kinder."

Von dieser Jugend spricht Tsipras an diesem Abend viel. Von denen, die nach Deutschland und nach England gegangen sind mit ihren Medizin- und Ingenieurabschlüssen. Und von denen, die geblieben sind, wie Manolis Papakostas, der 21 Jahre alt ist. Er hat keinen Universitätsabschluss, sondern eine kaufmännische Ausbildung von einer Fachschule. "Jetzt sitze ich im Supermarkt an der Kasse. Halbtags, 20 Stunden die Woche. Ich verdiene netto 200 Euro im Monat." Immerhin ein Job. Doch alleine wohnen und studieren – davon kann er nicht einmal träumen.

Papakostas will Tsipras wählen, obwohl er 2012 noch den Konservativen seine Stimme gegeben hat. Er will sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, was über Europa gesagt wird, über die Schulden, die Krise, einen möglichen Austritt aus dem Euro. Das sind nicht seine Probleme, sagt er.