Der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis wehrt sich gegen den Eindruck, sein Land wolle ein Veto gegen weitere Russland-Sanktionen der Europäischen Union einlegen. In Medienberichten sei die Position der neuen linksgerichteten Regierung verzerrt worden, schrieb Varoufakis in einem Blogeintrag. Die Regierung habe sich lediglich über die mangelnde Unterrichtung durch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini beschwert, nicht über die Sanktionen selbst, sagte Varoufakis. Der Finanzminister betonte in seinem Blog, er schreibe als Privatperson und sei "eigentlich nicht qualifiziert, über außenpolitische Angelegenheiten zu sprechen".

Das griechische Außenministerium wollte zu Varoufakis' Äußerungen bislang keine Stellung nehmen. Die Position der von Syriza geführten Regierung in Athen gegenüber Russland bleibt damit unklar. Anders als Varoufakis hatte Energieminister Panagiotis Lafazanis am Vortag einem Bericht der Nachrichtenagentur Athen zufolge erklärt, seine Regierung sei gegen Sanktionen und habe "keine Probleme mit Russland".

Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte sich am Montag, dem Tag seiner Amtseinführung, mit dem russischen Botschafter getroffen. In einer Erklärung monierte er anschließend, die Regierung in Athen sei in der Frage über neue Russland-Sanktionen der EU nicht konsultiert worden, stattdessen hätten die Verantwortlichen die "normale Prozedur" umgangen. Griechenland habe der gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs nicht zugestimmt, erklärte Tsipras' Büro.

Schulz warnt Griechen vor Alleingängen

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warnte die neue griechische Regierung vor politischen Alleingängen. Die Ablehnung der EU-Sanktionen gegen Russland durch Tsipras sei "sicherlich kein gelungener Einstand" gewesen, sagte Schulz der Bild-Zeitung vor seinem Besuch in Athen. "Ich werde sicherlich Tacheles mit ihm reden." Am Freitag reist auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nach Athen.

Die EU-Außenminister beraten in Brüssel über neue Strafmaßnahmen gegen Russland. Einem Entwurf zufolge soll die EU-Kommission beauftragt werden, neue Personen zu benennen, gegen die Sanktionen verhängt werden können. Außenminister Frank-Walter Steinmeier führt EU-Diplomaten zufolge vor den Beratungen bilaterale Gespräche. Dabei hat er sich auch mit seinem neuen griechischen Kollegen Nikos Kotzias getroffen.

Kotzias vermied es, sich auf eine Linie festzulegen: "Griechenland setzt sich für die Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in der Ukraine ein und will gleichzeitig verhindern, dass ein Graben zwischen der Europäischen Union und Russland entsteht", sagte er vor dem Sondertreffen der EU-Außenminister. Darüber wolle sein Land in Brüssel verhandeln, sagte Kotzias.