Die Euro-Finanzminister zeigen sich nach dem Sieg des Linksbündnisses Syriza bei den Parlamentswahlen in Griechenland offen für Verhandlungen, stellen aber Bedingungen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte, es gebe das gemeinsame Ziel, die griechische Volkswirtschaft innerhalb der Eurozone zu stärken. Jedoch müsste sich die neue Regierung "an die Regeln der Eurozone halten".

Den von Syriza im Wahlkampf geforderten Schuldenschnitt lehnte Dijsselbloem ab: "Ich denke nicht, dass es da viel Unterstützung in der Eurozone gibt." Die Eurogruppe habe schon viel getan, um die Schuldenlast zu mindern, beispielsweise über die Verlängerung von Kreditlaufzeiten. Auch solle über eine weitere Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Rettungsprogramms gesprochen werden. Ohne dieses Programm dürfte die neue Regierung in Athen vom 1. März an schon bald Finanzierungsschwierigkeiten haben, warnen Finanzexperten. 

Auch die EU-Kommission signalisierte, Griechenland weiter unterstützen zu wollen. "Wir sind bereit, mit einer neuen Regierung Gespräche aufzunehmen, sobald sie gebildet ist", sagte ein Behördensprecher.

Schäuble lehnt Diskussion über Schuldenschnitt ab

Griechenland wird nach dem Syriza-Wahlsieg künftig von einer Links-Rechts-Koalition regiert. Die Parlamentswahl am Sonntag hatte das Linksbündnis Syriza von Alexis Tsipras klar gewonnen, als Bündnispartner stehen die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen fest. Tsipras soll noch am Nachmittag als Regierungschef nominiert und am Abend vereidigt werden. Syriza hatte im Wahlkampf eine Abkehr vom Spar- und Reformkurs gefordert. Dieser war mit den internationalen Gläubigern vereinbart worden. Außerdem fordert das Linksbündnis einen Schuldenschnitt.

Die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenland seit 2010 über zwei Hilfsprogramme mit rund 240 Milliarden Euro vor dem Bankrott gerettet. Das zweite Hilfsprogramm läuft Ende Februar aus. Auch danach wird Athen sich kaum selbst über eine Kreditaufnahme am freien Markt finanzieren können.

Die Verpflichtungen Griechenlands gegenüber den internationalen Geldgebern gelten nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch nach der Parlamentswahl. "Niemand drängt Griechenland irgendetwas auf", sagte Schäubel vor dem Treffen der Eurogruppe Brüssel. Es sei nicht sinnvoll, jetzt über einen Schuldenschnitt zu reden.

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte der Zeitung Le Monde, es könne keine Sondervereinbarungen für einzelne Länder geben. Zudem stünden in dem Land tiefgreifende Reformen an. Die gelte unabhängig von der Sparpolitik. Bundesbank-Chef Jens Weidmann forderte, dass die künftige Regierung Griechenlands den Reformkurs fortsetzen müsse. Griechenland sei weiterhin auf ein Hilfsprogramm angewiesen, sagte Weidmann in der ARD. "Das heißt natürlich auch, dass es ein solches Programm auch nur geben kann, wenn die Verabredungen auch eingehalten werden."

Gabriel sichert Griechenland Hilfen zu

Vizekanzler Sigmar Gabriel sicherte Griechenland weitere Hilfen zu, wenn das Land am eingeschlagenen Reformkurs festhält. "Die Anstrengungen in Griechenland, die Schulden zu reduzieren und das Land aufzubauen, müssen weitergehen", sagte Gabriel der SPD-Chef. "Und dann gehen auch unsere europäischen und deutschen Hilfen weiter." Denn den Deutschen gehe es am Ende nur gut, wenn es Europa gut gehe.