Die wegen der Anschläge von Paris gesuchte Hayat Boumeddiene befand sich zur Zeit der Terrorangriffe nicht in Frankreich. Das sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Die Verdächtige sei vielmehr am 2. Januar – also fünf Tage vor dem ersten Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo – in die Türkei eingereist. Am 8. Januar sei sie nach Syrien gelangt. Çavuşoğlu bestätigte damit Medienberichte vom Wochenende, die sich auf nicht genannte türkische Geheimdienstler berufen hatten.

In den Tagen zwischen ihrer Ankunft und ihrer Weiterreise habe Boumeddiene in einem Hotel in der Türkei gewohnt, sagte der Minister. Laut türkischen Presseberichten hat der Geheimdienst MIT anhand von Handy-Signalen festgestellt, dass Boumeddiene in der Nähe der türkischen Stadt Akçakale die Grenze nach Syrien passierte. Die Gegend auf der syrischen Seite der Grenze wird von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrolliert.

Die 26-jährige Hayat Boumeddiene, Lebensgefährtin des Pariser Attentäters Amedy Coulibaly, ist seit vergangener Woche die meistgesuchte Frau Frankreichs. Sie wird als Komplizin Coulibalys gesucht, der am Freitag in einem jüdischen Supermarkt in Paris mehrere Geiseln getötet und am Donnerstag am südlichen Stadtrand eine Polizistin erschossen haben soll.

"All unsere Einheiten konzentrieren sich auf die Suche nach dieser Person", hatte der nationale Polizeichef Jean-Marc Falcone am Wochenende dem Sender BFMTV gesagt. "Wir raten ihr, sich der Justiz zu stellen." Laut einem türkischen Geheimdienstler kooperieren die Regierungen in Paris und Ankara bei der Suche nach Boumeddiene. In Istanbul sei sie allerdings angekommen, ohne dass aus Frankreich ein Hinweis zu ihrer Person gekommen sei.

Die französischen Behörden hatten zunächst angenommen, dass Boumeddiene am Freitag in Paris mit in dem koscheren Supermarkt gewesen sei, in dem Coulibaly Geiseln nahm und vier Menschen erschoss. Der Attentäter war beim Sturm der Polizei auf das Geschäft getötet worden.