Die Kämpfer des "Islamischen Staats" (IS) haben bei Gefechten in der Provinz Anbar mindestens 23 irakische Soldaten und verbündete sunnitische Kämpfer getötet. Das teilten irakische Behörden mit. Zudem sollen IS-Kämpfer in der nahen Provinz Salahuddin acht angebliche Kollaborateure getötet haben. 

In der Stadt Al-Bagdadi (Provinz Anbar) startete der IS gleich mehrere Angriffe. Wie irakische Beamte mitteilten, sprengte sich zunächst ein Selbstmordattentäter inmitten einer Gruppe von sunnitischen Milizionären in die Luft. Kurz darauf griffen die IS-Kämpfer Armee- und Polizeistellungen an. Außer den 23 Toten gab es nach Angaben von Polizei und Kliniken aufseiten der Regierung auch 28 Verletzte. Die Zahl der IS-Opfer ist nicht bekannt.

Der IS hat Teile Anbars vor gut einem Jahr unter seine Kontrolle gebracht. In den folgenden Monaten weitete die Terrorgruppe ihre Macht im Irak und im benachbarten Syrien erheblich aus. Inzwischen versuchen irakische Kräfte, zum Teil unterstützt von sunnitischen Stammeskämpfern, Gelände von den extremistischen Islamisten zurückzugewinnen. 

Al-Abadi sieht Sieg über IS kommen

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi sieht den Sieg über den "Islamischen Staat" dennoch näher rücken. Er sagte bei einer Rekrutenvereidigung: "Wir werden als Sieger hervorgehen und der Tag rückt näher, an dem unser Land befreit ist." Tags zuvor hatte er die irakischen Stämme dazu aufgerufen, sich gegen den IS zu erheben. Bei einem Treffen mit dem neu gewählten Gouverneur der Provinz Anbar, Suhaib al-Rawi, habe Abadi "auf die Notwendigkeit einer Stammesrevolution hingewiesen, um die irakische Gesellschaft von diesem ausländischen Feind zu befreien", teilte sein Büro mit.

Doch nicht nur die Provinz Anbar ist stark umkämpft. Die Provinzhauptstadt Tikrit und andere Städte in der Nähe sind seit Juni in der Hand des IS. Deren Kämpfer töten auch dort immer mehr Polizisten und Soldaten in Gebieten, die unter ihrer Kontrolle stehen.

Kurden melden Erfolge in Kobani

Seit Monaten versuchen die Kämpfer des IS zudem, die syrisch-türkische Grenzstadt Kobani vollständig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Hier melden nun die kurdischen Milizen weitere Erfolge: Die Volksschutzeinheiten YPG hätten das sogenannte Sicherheitsviertel der Stadt völlig unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der Kurdensprecher Idriss Nassan. In dem Viertel stehen das Hauptquartier der Polizei und mehrere Verwaltungsgebäude. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Angaben.

Der IS hatte das Sicherheitsviertel am 10. Oktober erstürmt, aber Teile davon bereits in einer früheren Gegenoffensive der Kurden verloren. Mit Unterstützung der irakisch-kurdischen Peschmerga-Kämpfer haben die YPG-Milizen in Kobani zuletzt immer mehr an Boden gewonnen. Auch das internationale Militärbündnis unter Führung der USA unterstützt die Kurden mit Luftangriffen.

Nach Angaben Nassans und der Beobachtungsstelle kontrollieren Kurden-Kämpfer mittlerweile 80 Prozent der Stadt an der Grenze zur Türkei. Der IS habe nur noch die Viertel Maktala und Kani Kordan im Osten der Stadt in seiner Hand, sagte Hassan. "Hoffentlich werden die Einheiten binnen weniger Tage die ganze Stadt kontrollieren. Der Vormarsch ist schneller geworden und die Luftangriffe wurden intensiver."

Frankreich soll Flugzeugträger entsenden

Frankreich wird einem Medienbericht zufolge seinen Flugzeugträger Charles de Gaulle in die Golfregion entsenden, um dort gegen den "Islamischen Staat" vorzugehen. Die Verlegung des Flugzeugträgers und seiner Begleitschiffe dürfte am 14. Januar anlässlich der Neujahrswünsche von Präsident François Hollande an Bord des Schiffes vor der Küste von Toulon in Südfrankreich offiziell bekannt gegeben werden, wie der Fach-Internetdienst Mer et marine berichtet. Der Elysée-Palast wollte die Angaben zunächst nicht bestätigen.

Frankreich beteiligt sich bereits mit Luftangriffen im Irak an dem Kampf der US-geführten Koalition gegen die IS-Extremisten. Nach Angaben von Mer et marine dürfte nun der Flugzeugträger, der unter anderem mit Jagdbombern vom Typ Rafale ausgerüstet und von einem U-Boot begleitet wird, in den Persischen Golf verlegt werden. Dort würde er die Luftangriffe gegen den IS unterstützen. Frankreich hat bereits neun Rafale-Flugzeuge in der Region stationiert.